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Behaviorismus

iconSynonyme

Behaviorismus, behaviorism

iconDefinitionen

Bezeichnung für eine theoretische Position, die eine möglichst objektive Betrachtungsweise der beobachtbaren, offenen Reaktionen von Mensch und Tier anstrebt. Im klassischen extremen B. (WATSON) sollten bewußte Prozesse und das Bewußtsein überhaupt ausgeklammert werden, da sie sich für den angestrebten Typus der Analyse als irrelevant erweisen.
von Werner D. Fröhlich im Buch Wörterbuch Psychologie
Die Grundposition des Behaviorismus lässt sich erkenntnisphilosophisch dem so genannten Objektivismus zuordnen, der annimmt, es existiere außerhalb des erkennenden Subjekts eine reale, "objektive", d. h. für alle gleichermaßen erfahrbare Welt. Diese Welt kann in der internen Struktur des Individuums besser oder schlechter repräsentiert sein. Es gibt jedoch "eine vollständige und korrekte Form" der Erkenntnis, was es ermöglicht, zwischen "wahren" und "falschen" Erkenntnissen zu unterscheiden.
von Stephan Wöckel im Buch Internet in der Grundschule (2002) im Text Pädagogisch-didaktische Grundlegung
Rolf SchulmeisterDer Behaviorismus in seiner ursprünglichen Variante (das »klassische Konditionieren« von Pawlow) ging davon aus, daß auf bestimmte Reize (Stimuli=S) bestimmte Verhaltensreaktionen (Response=R) erfolgen und daß sich solche S-R-Verbindungen zu Ketten aneinanderreihen (gepaarte Assoziationen) und in dieser Form habitualisiert werden können, besonders dann, wenn auf erwünschte (richtige) Reaktionen entsprechende Belohnungen folgen, während unerwünschte Reaktionen unbelohnt bleiben und dadurch gelöscht werden.
von Rolf Schulmeister im Buch Grundlagen hypermedialer Lernsysteme (1996) im Text CAL, CAI, ICAI, CUU, CBT, PU, PI, oder was? auf Seite 87
Oliver BendelStefanie HauskeDer Behaviorismus untersucht das sichtbare und erfassbare Verhalten von Menschen bzw. Lebewesen mit experimentellen Methoden. Hypothesen über innere, nicht unmittelbar sichtbare Vorgänge werden von den Behavioristen strikt abgelehnt. Verhalten verstehen sie als eine Kette von Reiz-Reaktion-Einheiten; dabei wird unter Reiz jede Form von Energie gefasst, die ein Sinnesorgan erregt, Reaktionen dagegen äußern sich z. B. vitäten von Muskeln oder Drüsen. Aus Sicht der Behavioristen findet Lernen statt, sobald eine Reiz-Reaktion-Kette gebildet und gefestigt wird.
von Oliver Bendel, Stefanie Hauske im Buch E-Learning: Das Wörterbuch (2004) auf Seite 37
Heinz MoserDer behavioristische Lernansatz beruht auf der Annahme, dass Lernprozesse technisch nach dem Modell von Zweck-Mittel-Prozessen gestaltet werden können. Für den Lehrenden ist zum Vorneherein klar, was die Lernenden zu lernen haben. Durch geeignete Massnahmen wie Lob kann Verhalten verstärkt werden, wodurch die «richtigen» Verhaltensweisen häufiger geäussert werden. Man wird also z. B. am Computer Rechnungen oder Grammatik üben, man setzt ein Puzzle richtig zusammen bzw. es werden im Multiple-Choice-Verfahren Aufgaben gestellt usw. - wobei die Schüler/innen bei «richtigen» Antworten gelobt und ermutigt werden.
von Heinz Moser im Buch Wege aus der Technikfalle II (2005) im Text Computer als Teil der schulischen Lernkultur auf Seite 83
Psychology as the behaviorist views it is a purely objective experimental branch of natural science. Its theoretical goal is the prediction and control of behavior. Introspection forms no essential part of its methods, nor is the scientific value of its data dependent upon the readiness with which they lend themselves to interpretation in terms of consciousness. The behaviorist, in his efforts to get a unitary scheme of animal response, recognizes no dividing line between man and brute. The behavior of man, with all of its refinement and complexity, forms only a part of the behaviorist's total scheme of investigation.
von John Broadus Watson im Text Psychology as the Behaviorist Views it (1913)
Ludwig J. IssingDer Behaviorismus als lerntheoretischer Ansatz orientiert sich am beobachtbaren Verhalten. Demzufolge sind auch die unter diesem Gesichtspunkt formulierten Lernziele genau auf die Nachweisbarkeit des Verhaltens der Lerner ausgerichtet. Nach dem behavioristischen Ansatz muss das zu erreichende Zielverhalten genau beschrieben werden, um Verstärkungsmechanismen festlegen zu können, die den Aufbau des gewünschten Verhaltens gewährleisten. Die Operationalisierbarkeit von Lernzielen, d.h. beispielsweise ihre mediale Umsetzung, stellt damit einen entscheidenden Faktor innerhalb des didaktischen Designs behavioristischer Ansätze dar.
von Ludwig J. Issing, Paul Klimsa Personenreihenfolge alphabetisch und evtl. nicht korrekt im Buch Information und Lernen mit Multimedia (1995)
Michael KerresDer Behaviorismus geht davon aus, dass Verhalten nicht durch Vorgänge im Inneren der Person gesteuert wird, sondern durch die Konsequenzen, die auf das gezeigte Verhalten folgen. Der grundlegende Mechanismus des Lernens, der dabei postuliert wird, ist einfach: Folgt auf ein Verhalten eine für die Person positive Konsequenz der Umwelt, wird dieses Verhalten in Zukunft häufiger gezeigt werden: Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Verhaltens steigt. Dies wird Bekräftigung oder Verstärkung des Verhaltens genannt. Entscheidend dabei ist, dass die Person selbst die Konsequenz als eine positive einschätzt, nicht jedes Lob wirkt als Bekräftigung.
von Michael Kerres im Buch Mediendidaktik (2012) im Text Lernen und Medien auf Seite 112
Der Ausdruck Behaviorismus wurde von Watson (1913) geprägt und bedeutet die Beschäftigung mit den beobachtbaren Aspekten des Verhaltens (Behavior). Etwas genauer gesagt, nimmt der Behaviorismus an, daß das Verhalten sich aus Reaktionen zusammensetzt, die beobachtet werden können und mit anderen beobachtbaren Vorgängen zusammenhängen, wie etwa den Bedingungen, die dem Verhalten vorausgehen oder auf das Verhalten folgen. Das Endziel einer behavioristischen Psychologie ist es, Gesetze abzuleiten, die die Beziehungen zwischen den verschiedenen dem Verhalten vorausgehenden Bedingungen (Reizen), dem Verhalten (Reaktionen) und den Konsequenzen (Belohnung, Bestrafung oder neutralen Effekten) erklären.
von Guy R. Lefrancois im Buch Psychologie des Lernens (1972) im Text Der frühe Behaviorismus auf Seite 17

iconBemerkungen

Ernst von GlasersfeldIn den Vereinigten Staaten von Amerika leiden wir immer noch unter den Nachwehen des Behaviorismus.
von Ernst von Glasersfeld im Buch Wege des Wissens im Text Lehren und Lernen aus der Sicht eines Konstruktivisten (1991) auf Seite 208
Gerhard RothDer amerikanische Behaviorismus ist sicher die erfolgreichste und folgenreichste Theorie menschlichen und tierischen Verhaltens überhaupt.
von Gerhard Roth im Buch Fühlen - Denken - Handeln (2001) im Text Moderne Theorien der Verhaltenssteuerung auf Seite 20
Gerhard Roth Als der eigentliche Begründer des amerikanischen Behaviorismus ist der Psychologe John Broadus Watson (1879-1958) anzusehen. Watson wollte die Psychologie zur Lehre von der Kontrolle und Voraussage von menschlichem und tierischem Verhalten machen. Bei der Erklärung solchen Verhaltens lehnte er »mentalistische« oder »internalistische« Begriffe wie Bewusstsein, Wille und Absicht radikal ab. Verhalten kann und muss nach Watson ausschließlich über die Beziehung von Reiz und Reaktion erklärt werden und über die sich daraus ergebende Ausbildung von Gewohnheiten (habits). Diese sind nichts anderes als komplexe Verkettungen einfacher, konditionierter Verhaltensweisen.
von Gerhard Roth im Buch Bildung braucht Persönlichkeit (2011) im Text Einleitung auf Seite 17
Gerhard RothAls der eigentliche Begründer des amerikanischen Behaviorismus ist der Psychologe John Broadus Watson (1879-1958) anzusehen. Seine Hauptwerke sind »Behavior: An Introduction to Comparative Psychology« von 1914 und »Psychology from the Standpoint of a Behaviorist« von 1919. Im Jahre 1913 schrieb er den berühmt gewordenen Aufsatz »Psychology as a Behaviorist Views It«. Watson wollte die Psychologie zur Lehre von der Kontrolle und Voraussage von Verhalten machen. Bei der Erklärung menschlichen und tierischen Verhaltens lehnte er radikal »mentalistische« oder »internalistische« Begriffe wie Bewusstsein, Wille, Absicht und Vorstellung ab. Bewusstsein existiert nach Watson nicht; so etwas anzunehmen, sei reiner Aberglaube. Verhalten kann ausschließlich über die Beziehung von Reiz und Reaktion erklärt werden und über die sich daraus ergebende Ausbildung von Gewohnheiten (hahits).
von Gerhard Roth im Buch Fühlen - Denken - Handeln (2001) im Text Moderne Theorien der Verhaltenssteuerung auf Seite 24

iconVerwandte Objekte


Fragen
Wie funktioniert Lernen?
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Verwandte Begriffe
(Cozitation)
Kognitivismus, Konstruktivismus, Lernen, CBT (Computer Based Training), Objektivismus

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Ernst von Glasersfeld Ernst von
Glasersfeld
Michael Kerres Michael
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Der Schlüsselbegriff Behaviorismus - angeregt von Ernst von Glasersfeld
"Behaviorismus" ist zu einem Leitbegriff unserer Gesellschaft geworden. Beste Gelegenheit, das Spannungsfeld Behaviorismus vertiefter zu betrachten.
Erstmalig beschrieben wurde der Begriff vor 95 Jahren. Dies bietet die Chance für eine historische Betrachtungsweise. Allgemein gilt Michael Kerres als gefragter Experte für dieses Thema. Rolf Schulmeister wird aber ebenfalls oft zitiert.
Angezeigt ist ein Blick auf die zahlreichen Definitionen des Begriffs. Die neuste Definition des Begriffs lautet: "Der Behaviorismus geht davon aus, dass Verhalten nicht durch Vorgänge im Inneren der Person gesteuert wird, sondern durch die Konsequenzen, die auf das gezeigte Verhalten folgen. Der grundlegende Mechanismus des Lernens, der dabei postuliert wird, ist einfach: Folgt auf ein Verhalten eine für die Person positive Konsequenz der Umwelt, wird dieses Verhalten in Zukunft häufiger gezeigt werden: Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens des Verhaltens steigt. Dies wird Bekräftigung oder Verstärkung des Verhaltens genannt. Entscheidend dabei ist, dass die Person selbst die Konsequenz als eine positive einschätzt, nicht jedes Lob wirkt als Bekräftigung." (Michael Kerres, 2012). ...

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