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Leben im NetzIdentität in Zeiten des Internet
Sherry Turkle, 1995
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Dies ist kein Buch über Computer, sondern über die intensiven Beziehungen zwischen Menschen und Computer und deren Auswirkungen auf unser Denken und Empfinden.


![]() Nicht erwähnte Begriffe | Eifersucht, E-Mail |
Durch dieses Buch zieht sich eine komplexe Dialektik der Akzeptanz und Ablehnung von Analogien zu 'der Maschine'. Einerseits beteuern wir, dass wir anders sind als Maschinen, weil wir Gefühle, Körper und einen Intellekt haben, der sich nicht in Regeln pressen läßt. Andererseits spielen wir mit Computerprogrammen, die wir als lebendig oder fast-lebendig betrachten.
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Life on the Screen: Webseite von Sherry Turkle zum Buch 'Leben im Netz'
( : 2010-02-13)
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http://www.priscilla.ch/dezember1598.htm :Priscillas Tagebuch vom 15. Dezember 98: Was ist Untreue?
( : Link unterbrochen? Letzte Überprüfung: 2010-02-13 Letzte erfolgreiche Überprüfung: 2006-10-26)
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Wir beginnen uns mit anderen Augen zu sehen, sobald wir unser Bild im Spiegel des Computers erblicken.
Die heutigen Kinder wachsen in der Computerkultur auf, wir Erwachsenen hingegen sind bestenfalls von ihr eingebürgerte Fremdlinge.
Der elitäre Status des abstrakten Denkens in der abendländischen Geistesgeschichte läßt sich zumindest bis zu Platon zurückverfolgen.
Die Online-Praktiken schärfen das Bewusstsein dafür, wie unsere Vorstellungen über Geschlechterrollen unsere Erwartungen beeinflussen.
Bis zu einem gewissen Grad entsteht Wissen aus konkreter Erfahrung, basiert es auf einer Körperlichkeit, die jeder von uns anders erlebt.
Die Benutzer betonen die Grenzen zwischen sich und Computern ausgerechnet zu der Zeit, als sie begannen, sich emotional auf die Maschinen einzulassen.
Seit ihrer Erfindung sind MUDs evokative Objekte, an denen sich beispielhaft die Probleme der Verantwortlichkeit in der virtuellen Welt aufzeigen lassen.
Obgleich wir wissen, dass Computer kein Bewusstsein besitzen, behandeln wir sie oft in einer Weise, die die Grenze zwischen Dingen und Menschen verwischt.
Wenn ich schreiben will und keinen Computer zur Hand habe, dann warte ich in der Regel, bis sich dies ändert, ja, ich fühle mich sogar gezwungen zu warten.
Die MUDs liefern die Basis für eine handlungsorientierte philosophische Praxis, die als eine Art Bewusstseinstraining für Fragen der Geschlechtszugehörigkeit dienen könnte.
Das Internet ist zu einem wichtigen Soziallabor für Experimente mit jenen Ich-Konstruktionen und -Rekonstruktionen geworden, die für das postmoderne Leben charakteristisch sind.
Heute dreht sich die Debatte über Computer nicht um ihr intelligentes Problemlösungsvermögen, sondern um ihre Lebensfähigkeit. Wir sind bereit zuzugeben, dass die Maschine eine 'Psyche' hat, nicht jedoch, dass sie lebendig sein kann.
Die Versessenheit, mit der man in MUDs versucht, Leute dadurch 'greifbar' zu bekommen, dass man ihr Geschlecht bestimmt, erinnert daran, wie sehr wir im wirklichen Leben Geschlechterrollen zur Festlegung unserer Beziehungen benutzen.
Was mich am Computer fasziniert, sind die Möglichkeiten des 'Gesprächs', mit den verschiedenen Fenstern auf meinem Bildschirm und die Art und Weise, wie eine sofort reagierende Maschine meine Ängste, nicht perfekt zu sein, besänftigt.
Menschen, die normalerweise einer materialistischen Weltanschauung anhängen, spielen mit der Idee, dass die irgendwie immaterielle Welt der Computernetze einen Freiraum zur Entfaltung von Macht jenseits traditioneller Eigentumsformen erschafft.
Wenn ein Patient, der das Antidepressivum Fluctin einnimmt, seinem Therapeuten erklärt, er fühle sich mit dem Medikament mehr er selbst als ohne, dann stellt sich die Frage, was dies für unsere gängigen Vorstellungen von einem realen Selbst bedeutet.
Die Optimisten in Sachen Technologie glauben, die Computer werden diese wachsende soziale Isolation teilweise rückgängig machen, und sie preisen virtuelle Erfahrungen und virtuelle Gemeinschaften als eine Möglichkeit an, den eigenen Horizont zu erweitern.
Aber ist es wirklich vernünftig anzunehmen, wir könnten den Gemeinschaftsgedanken dadurch neues Leben einhauchen, dass wir allein in unseren Zimmern sitzen, Botschaften in unsere vernetzten Computer eingeben und unser Leben mit virtuellen Freunden füllen?
Die heutigen Kinder betrachten Maschinen als intelligent und bewusst, aber nicht als lebendig. Die Kinder der Gegenwart, die scheinbar so mühelos Bewusstsein und Belebtheit auseinanderdividieren, sind die Vorläufer einer umfassenderen kulturellen Bewegung.
Der Begriff der 'weichen Problemlösung' deutet darüber hinaus an, daß die Fähigkeiten zur Verhandlung, zum Knüpfen von Beziehungen und zur emotionalen Bindung als kognitive Vorzüge betrachtet werden. Und genau dazu veranlasst uns die Kultur der Simulation.
Wenn man Angst hat vor Intimität, aber gleichzeitig auch vor dem Alleinsein, dann liefert ein autonomer (nicht vernetzter) Computer eine scheinbare Lösung. Interaktiv und reaktiv, vermittelt er die Illusion einer Gemeinschaft ohne die Forderungen der Freundschaft. Man kann allein bleiben, ohne doch einsam sein zu müssen.
Durch dieses Buch zieht sich eine komplexe Dialektik der Akzeptanz und Ablehnung von Analogien zu 'der Maschine'. Einerseits beteuern wir, dass wir anders sind als Maschinen, weil wir Gefühle, Körper und einen Intellekt haben, der sich nicht in Regeln pressen läßt. Andererseits spielen wir mit Computerprogrammen, die wir als lebendig oder fast-lebendig betrachten.
Von Anfang an war der Begriff der wissenschaftlichen Objektivität nicht zu trennen von der Vorstellung einer aggressiven Beziehung des Forschers zur Natur. Und von Anfang an war das Streben nach wissenschaftlicher Objektivität mit der Metaphorik männlicher Herrschaft und weiblicher Unterwerfung verknüpft. Francis Bacon benutzte das Bild vom männlichen Wissenschaftler, der die weibliche Natur auf die Folter spannt.
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| Titel | Bez. | Verlag | Auflage | Jahr | ISBN | ||||||
![]() | ![]() | ![]() | Leben im Netz | D | Gebunden | - | - | - | 1998 | 3498065173 | |
![]() | ![]() | ![]() | ![]() | Life on the Screen | E | Paperback | - | - | - | 1997 | 0684833484 |
![]() | ![]() | ![]() | Leben im Netz | D | Paperback | - | - | - | 3499600692 |
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Erster Eintrag: 02.03.1998
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