Beats Biblionetz - Begriffe

digital divide

iconDefinitionen

Die Kluft zwischen denjenigen, die auf die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zugreifen und diese wirksam einsetzen können, und denjenigen, die dies nicht können.
von Europäische Kommission im Text Einen europäischen Raum des lebenslangen Lernens schaffen (2001)
The well-known phrase “digital divide” describes the gulf between individuals who have access to information technology and individuals who do not have access to information technology. Like so many negative phenomena, the digital divide discriminates disproportionately against people of lower socioeconomic status.
von David A. Wiley, John Hilton III in der Zeitschrift International Review of Research in Open and Distance Learning (2009) im Text Openness, Dynamic Specialization, and the Disaggregated Future of Higher Education

iconBemerkungen

Die digitale Spaltung ist also insgesamt nur ein Sekundärphänomen, sie ist nicht selbst ein Problem. Die sozialen Unterschiede, denen entlang sie verläuft, bestehen zwischen gut und schlecht Verdienenden oder zwischen gut und schlecht Gebildeten - und diese Ungleichheit besteht eben nicht wegen der ungleichen Internetnutzung auf den beiden Seiten, geschweige denn könnte sie aufgehoben oder gelindert werden durch den Zugang aller zum Netz.
von Guido Mingels im Text Die Revolution, die keine war (2005)
Die Rede vom «digitalen Graben» hat öfter nur zugedeckt, dass der Graben – mindestens in unseren Breitengraden – eher eine diskursive Konstruktion oder etwas salopper gesagt, ein Grübchen ist. Die Gleichung Zugang zur Bildung ist Zugang zum Internet stimmt, mindestens für die Schweiz nicht, auch wenn die Medien, sekundiert von Technologie- Experten dies eine Zeitlang suggerierten. Ein wirklicher Graben droht dort, wo es an Neugier, Interesse und möglicherweise an noch viel handfesteren Dingen wie Lesefähigkeit mangelt.
von Dominik Landwehr in der Zeitschrift Bildung Schweiz 10a/2006 (2006) im Text Nicht das Internet, die Neugier ist entscheidend
Vor einigen Jahren verstand man unter digitalem Graben noch die Kluft, welche die Informationstechnologie zwischen solchen schafft, die Zugang dazu haben und jenen, die keinen Zugang haben. Immer mehr zeichnet sich ab, dass das Problem an ganz anderer Stelle liegt. Fast alle haben die Möglichkeit heute, aber nicht alle nutzen sie auf sinnvolle Weise. Der digitale Graben öffnet sich zwischen jenen, die Technologie zur persönlichen Entwicklung zu gebrauchen verstehen, und jenen, die damit einzig aus der Realität flüchten. Der Fachausdruck dafür heisst Eskapismus. An sich ist das kein neues Phänomen. Schon bisher gibt es beispielsweise Leser von Büchern, die daraus nichts lernen (in einem weiten Sinn verstanden) und nur ihre Zeit totschlagen, und solche, die privat, beruflich und/oder in ihrer Sozialkompetenz aus Büchern lernen. Die neuen Technologien mit ihrem immensen Potenzial verstärken diese Kluft in der Wissensgesellschaft, wo Informationen zwar vorhanden sind wie nie zuvor, diese an sich aber noch nichts nützen, wenn man nicht versteht, aus Informationen sinnvolle Inhalte zu destillieren.
von Georges T. Roos im Text Das iPhone in der Schultheke (2009)
Unter dem Schlagwort 'digital divide' fand in den zurückliegenden Jahren eine umfangreiche öffentliche Auseinandersetzung um den Einfluss der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auf die Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen und somit auf die Gewährleistung von Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit in der Informationsgesellschaft statt. Ausgangspunkt der Diskussion ist die empirisch beobachtbare Tatsache, dass diese Technologien, und dabei insbesondere das Internet, sich zwar mit grosser Geschwindigkeit ausbreiten, diese Ausbreitung allerdings sozial sehr heterogen erfolgt. Die sich daraus ergebenden Differenzen im Technologiezugang verschiedener sozialer Gruppen werden als Zugangsklüfte bezeichnet. Problematisch an diesen Zugangsklüften ist, dass vor allem solche sozialen Gruppen von den Anwendungsmöglichkeiten von Computer und Internet ausgeschlossen bleiben oder zumindest in der Gruppe der Nutzer unterrepräsentiert sind, die ohnehin schon zu den unterprivilegierten Schichten der Gesellschaft gehören. Aus der Deutung dieser Zugangsungleichheiten als Vorboten einer neuen Zweiklassengesellschaft, mit einer technologieaffinen Informationselite auf der einen Seite und einer technologieabstinenten Informationsparia auf der anderen Seite, ergibt sich ein Bedrohungsszenario, dem auf der Policy-Ebene mit zahlreichen Fördermassnahmen begegnet wird, deren generelles Ziel in der Gewährleistung eines Internetzugangs für alle Bürgerinnen und Bürger besteht.
von Mirko Marr in der Zeitschrift Medien im Lebenszusammenhang (2003) im Text Soziale Differenzen im Zugang und in der Nutzung des Internet

iconVerwandte Objekte


Aussagen
Behauptung 24: Mit dem Internet droht sich die Gesellschaft in zwei Klassen zu spalten: die Informationselite und die Nichtvernetzten.
icon
Verwandte Begriffe
(Cozitation)
Medienkompetenz/media literacy, Internet, Chancengleichheit, ICT, ICT Development Index

iconHäufig erwähnende Personen

Rolf Schulmeister Rolf
Schulmeister

iconStatistisches Begriffsnetz Dies ist eine graphische Darstellung derjenigen Begriffe, die häufig gleichzeitig mit dem Hauptbegriff erwähnt werden (Cozitation).

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iconBlahfasel-Generator (Beta)

Digital divide - ein prominenter Leitbegriff einer globalisierten Welt
Digital divide - viel genannt, aber Fast nie verankert. Eine nüchterne Übersicht drängt sich auf.
Bereits vor 17 Jahren wurde das Thema ein erstes Mal erwähnt. Damals war vieles noch anders.
Ein Blick auf die Begriffsgenese ist sinnvoll. Die vielleicht älteste Erklärung des Begriffs lautet: "Die Kluft zwischen denjenigen, die auf die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zugreifen und diese wirksam einsetzen können, und denjenigen, die dies nicht können." (Europäische Kommission, 2001). Ganz anders klingt die Erklärung von David A. Wiley, John Hilton III (2009) : "The well-known phrase “digital divide” describes the gulf between individuals who have access to information technology and individuals who do not have access to information technology. Like so many negative phenomena, the digital divide discriminates disproportionately against people of lower socioeconomic status.". Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen hier nahe beieinander. ...

iconZitationsgraph

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