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Beats Biblionetz - Begriffe

Aufmerksamkeitsökonomie attention economy

iconBiblioMap Dies ist der Versuch, gewisse Zusammenhänge im Biblionetz graphisch darzustellen. Könnte noch besser werden, aber immerhin ein Anfang!

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iconSynonyme

Aufmerksamkeitsökonomie, Aufmerksamkeitskapitalismus, Ökonomie der Aufmerksamkeit, attention economy

iconDefinitionen

Beat Döbeli HoneggerDie digitale Revolution hat die Verfügbarkeit verschiedenster Güter einerseits und die Informationsflut andererseits massiv erhöht. Daraus resultiert, dass die menschliche Aufmerksamkeit, die mit dieser Flut nicht Schritt halten kann, als rares Gut zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Von Beat Döbeli Honegger im Buch Mehr als 0 und 1 im Text Gesetze des Digitalen (2016)

iconBemerkungen

Der Mensch besitzt nichts Wertvolleres als seine Zeit
Von Ludwig van Beethoven, erfasst im Biblionetz am 28.05.1999
Jakob NielsenThe Web is an attention economy where the ultimate currency is the users' time.
Von Jakob Nielsen im Buch Designing Web Usability (1999) im Text Content Design auf Seite  160
Esther DysonInhalte (und die Schaffung von Inhalten) binden und verbrauchen die Aufmerksamkeit von Individuen.
Von Esther Dyson im Buch Release 2.0 (1997) im Text Geistiges Eigentum auf Seite  182
Früher war Information ein knappes Gut, heute ist es Aufmerksamkeit. Es geht darum, wer seine Zeit richtig einsetzt, um die Informationsflut zu meistern.
Von Tristan Harris im Text «Das Silicon Valley hat unser Hirn gehackt» (2019)
The Sirens' CallIn wettbewerbsorientierten Aufmerksamkeitsmärkten verdrängt Unterhaltung die Information und Spektakel ersetzt das Argument. Je leichter etwas unsere Aufmerksamkeit erregt, desto geringer ist die kognitive Hürde und desto weniger Widerstand leisten wir, uns davon einfangen zu lassen. Warum ein Buch lesen, wenn man einen Film anschauen kann? Warum eine Zeitung lesen, wenn man ein Videospiel spielen kann?
Von Chris Hayes im Buch The Sirens' Call (2025) im Text Öffentliche Aufmerksamkeit
The Sirens' Call

Seine Entwicklung ist eine perfekte Fabel für das Aufmerksamkeitszeitalter. Musk war ein Mann, der über sämtliche materiellen und finanziellen Ressourcen verfügte, über alles, was die gesamte Menschheitsgeschichte bis dahin hervorgebracht hatte, über alles, was ein Mensch kaufen oder besitzen kann. Und dennoch war er bereit, all das für Aufmerksamkeit einzutauschen.

Von Chris Hayes im Buch The Sirens' Call (2025) im Text Der Anbruch des Aufmerksamkeitszeitalters
Dieter EulerJasmina HasanbegovicMichael KerresSabine SeufertBritta VoßWissenschaft funktioniert grösstenteils im Sinne einer Aufmerksamkeitsökonomie, d. h. eine wesentliche Gratifikation für Wissenschaftler/innen besteht in der Zuwendung von Aufmerksamkeit durch Kollegen/innen für die eigene Arbeit, was sich etwa ausdrückt in der Annahme von eingereichten Artikeln in Zeitschriften, in Einladungen zu Vorträgen, Publikationsbeiträgen oder Gastaufenthalten und in der Berufung zum Gutachter oder Herausgeber.
Von Dieter Euler, Jasmina Hasanbegovic, Michael Kerres, Sabine Seufert, Britta Voß Personenreihenfolge alphabetisch und evtl. nicht korrekt im Buch Lehrkompetenz für eLearning-Innovationen in der Hochschule (2005)
Die anbrechende Aufmerksamkeitsökonomie unterscheidet sich tiefgreifend von jeder früheren Ökonomie. Sie funktioniert ohne jede Form des Geldes und ohne Markt oder von etwas, das diesem gleicht. Sie setzt eine völlig andere Lebensweise als die auf Routinen begründete industrielle Existenz mit ihren Dichotomien zwischen Arbeitsstätte und Heim, Arbeit und Spiel und Produktion und Konsum voraus. Was jetzt zählt, ist die Suche nach sowie das Erhalten und Schenken von Aufmerksamkeit.
Von Michael Goldhaber im Text Die Aufmerksamkeits-Ökonomie und das Netz (1997)
The Sirens' CallSimon erkannte viel früher als die meisten anderen, dass mit der wachsenden Bedeutung von Informationen in einer Gesellschaft zwangsläufig auch der Wert der Aufmerksamkeit steigt. Mit anderen Worten: Das Informationszeitalter ist zugleich das Aufmerksamkeitszeitalter. Beides ist untrennbar miteinander verbunden, denn Informationen verbrauchen Aufmerksamkeit. Je mehr Informationen vorhanden sind, desto intensiver ist der Wettbewerb um Aufmerksamkeit, die per Definition knapp ist. Je höher die Nachfrage nach einer knappen Ressource ist, desto wertvoller ist sie.
Von Chris Hayes im Buch The Sirens' Call (2025) im Text Der Anbruch des Aufmerksamkeitszeitalters
The Sirens' Call

Und wie steht es um unsere Aufmerksamkeit? Ist die Menge dieser Ressource tatsächlich begrenzt ‒ oder wird sie sich als Reaktion auf die unablässige Wucht kapitalistischer Innovationskraft letztlich doch als weit dehnbarer erweisen? Tatsächlich erleben wir tagtäglich, wie der Aufmerksamkeitskapitalismus mehr von dieser Ressource abschöpft, als früher für möglich gehalten wurde ‒ indem er ein regelrechtes »Fracking des Verstands« betreibt, um es mit den einprägsamen Worten des Aufmerksamkeitstheoretikers D. Graham Burnett auszudrücken.

Von Chris Hayes im Buch The Sirens' Call (2025) im Text Der Anbruch des Aufmerksamkeitszeitalters
The Sirens' CallIch halte es für sehr wahrscheinlich, dass wir die Entstehung eines Parallelmarktes für alternative Aufmerksamkeitsprodukte erleben werden, vergleichbar mit dem Aufschwung der Märkte für Naturkost, Bio-Landwirtschaft und regionale Erzeugnisse. Ich kann nicht sagen, wie genau dieser Parallelmarkt aussehen wird, aber es gibt bereits erste Ansätze: den hartnäckigen Widerstand der Buchkäufer gegen den Umstieg auf E-Books oder die Beharrlichkeit der Abonnenten der gedruckten New York Times. Immer mehr Eltern ergreifen drastische Maßnahmen, um ihren Kindern den Zugang zu Bildschirmen zu verwehren, und Schulen folgen diesem Beispiel. Mehrere Unternehmen bringen inzwischen sogenannte »Dumbphones« auf den Markt, die grundlegende Mobiltelefonfunktionen bieten, ohne dass man ständig einen kleinen Spielautomaten mit sich herumtragen muss.
Von Chris Hayes im Buch The Sirens' Call (2025) im Text Die Rückeroberung unseres freien Geistes
The Sirens' CallDer Aufmerksamkeitskapitalismus hat das ganzheitliche Erlebnis des Massenspektakels ‒ die soziale Einheit des gemeinsamen Hinwendens der Aufmerksamkeit, die Ekstase, einer von vielen zu sein, die in dieselbe Richtung blicken und von denselben Sinneseindrücken erfasst werden ‒ in Teilprozesse aufgespalten, die nun jeweils individuell und für sich allein erlebt werden: etwas anschauen und es dann teilen. Ein virales Meme ist heutzutage unsere Form von »gemeinsam unsere Aufmerksamkeit auf etwas richten«, aber sie ist in dieser entscheidenden Weise abgeschwächt. Der kollektive Rausch, gemeinsam eine Oper oder ein Konzert zu erleben oder im Gottesdienst miteinander zu singen, ist in einen zweiteiligen Prozess zerlegt worden, der jeweils einsam abläuft. Ich sehe es und dann teile ich es. Ich sehe es und dann teile ich es. Dann lachen wir gemeinsam, aber getrennt voneinander.
Von Chris Hayes im Buch The Sirens' Call (2025) im Text Entfremdung
Ich will einige der "Symptome" oder Merkmale der neuen Ökonomie kurz nennen: Wir ertrinken in Informationen. Dennoch werden mehr und mehr Informationen hergestellt. Das führt zu einen zunehmend härteren Wettkampf um Aufmerksamkeit und zu einer sinkenden Freizeit, und als Folge zur immer größeren Bedeutung von Stars und Berühmtheiten jeder Art sowie zu einer Veränderung der Bedeutung von Privatheit. Beispielsweise hat Prinzessin Diana es vielleicht nicht gemocht, von den Paparazzi belästigt zu werden, aber sie sprach offen und freiwillig von ihrem Ehebruch, von ihrer Bulimie usw., also von Dingen, die von der vorhergehenden Generation als zutiefst privat angesehen wurden. Es entsteht ein Bedürfnis nach Technologien, die größere Möglichkeiten bei der Gewinnung von Aufmerksamkeit versprechen, angefangen von der Textverarbeitung über Kopieren und Faxen bis hin zu Email oder persönlichen Web-Seiten, und die Bedeutung materieller Dinge, die nicht der Gewinnung von Aufmerksamkeit dienen oder dienen könnten, nimmt relativ ab.
Von Michael Goldhaber im Text Die Ökonomie der Aufmerksamkeit wird alles verändern (1998)

iconVerwandte Objeke

icon
Verwandte Begriffe
(co-word occurance)
Ökonomieeconomy(0.06), Aufmerksamkeit / Fokusattention(0.04)
icon
Verwandte Aussagen
Informationsflut führt zur einer Aufmerksamkeitsökonomie

iconRelevante Personen

Georg Franck Georg
Franck

iconHäufig erwähnende Personen

Chris Hayes Chris
Hayes
Georg Franck Georg
Franck
Philippe Wampfler Philippe
Wampfler

iconHäufig co-zitierte Personen

Georg Franck Georg
Franck
Andrew Keen Andrew
Keen

iconStatistisches Begriffsnetz  Dies ist eine graphische Darstellung derjenigen Begriffe, die häufig gleichzeitig mit dem Hauptbegriff erwähnt werden (Cozitation).

icon11 Einträge in Beats Blog

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iconZeitleiste

icon125 Erwähnungen  Dies ist eine nach Erscheinungsjahr geordnete Liste aller im Biblionetz vorhandenen Werke, die das ausgewählte Thema behandeln.

iconAnderswo finden

iconExterne Links

Auf dem WWW Zeit und Aufmerksamkeit für Querdenken?: Interview mit Erich Feldmeier / iiQii.de ( WWW: Link OK 2021-03-21)
Auf dem WWW Die Neuen Leiden des jungen E.: Buchbesprechung - Ganz Blass vor Spass v. Betty Zucker ( WWW: Link OK 2021-03-21)
Auf dem WWW Das Gesetz der Aufmerksamkeitsökonomie: Attraktiv für Frauen sind die Männer, die schon für andere Frauen attraktiv sind (Florian Rötzer Telepolis) ( WWW: Link tot Link unterbrochen? Letzte Überprüfung: 2020-11-28 Letzte erfolgreiche Überprüfung: 2020-05-11)
Auf dem WWW Aufmerksamkeit - Die neue Währung: Artikel von Georg Franck in Telepolis ( WWW: Link tot Link unterbrochen? Letzte Überprüfung: 2020-11-28 Letzte erfolgreiche Überprüfung: 2020-05-11)
Auf dem WWW Die Ökonomie der Aufmerksamkeit wird alles verändern: Ein Email-Interview mit Michael Goldhaber in Telepolis ( WWW: Link tot Link unterbrochen? Letzte Überprüfung: 2020-11-28 Letzte erfolgreiche Überprüfung: 2020-05-11)
Auf dem WWW Telepolis - Die Aufmerksamkeitsökonomie und das Netz - Teil I: Artikel von Michael H. Goldhaber in Telepolis ( WWW: Link tot Link unterbrochen? Letzte Überprüfung: 2020-11-28 Letzte erfolgreiche Überprüfung: 2020-05-11)
Auf dem WWW Aufmerksamkeit: Artikel von Florian Rötzer in Telepolis ( WWW: Link tot Link unterbrochen? Letzte Überprüfung: 2020-11-28 Letzte erfolgreiche Überprüfung: 2020-05-11)
Die Aufmerksamkeitsökonomie und das Netz - Teil II: Artikel von Michael H. Goldhaber in Telepolis

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