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Gibt es eine 'Net Generation'?Rolf Schulmeister, 2008
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Rolf Schulmeister legt eine ausführliche und kritische Auseinandersetzung mit dem Schlagwort der "NetGeneration" vor. Mit fast 100 Seiten sprengt es die üblichen Standards von Zeitschriftenartikeln, aber wir haben ja das Internet, und so wird sich dieser "Artikel" sicher schnell und einfach verbreiten. Wie immer pointiert und mit reichhaltigen Detaillkenntnissen untermauert entwirft Schulmeister eine Gegenposition zu der einfachen These einer "neuen" Generation, die durch die Computernutzung essentiell geprägt sei.
Die allgegenwärtige Behauptung, dass die zukünftigen Studierenden der Net Generation anders sind und anders lernen, und zwar so grundlegend anders, dass genau das die wichtigste Begründung dafür sei, dass wir neue Konzepte für die Lehre benötigen, das ist Rolf Schulmeister schon seit längerem ein Dorn im Auge. Für ihn ist diese Begründung teils schwach, teils sogar unseriös und er zeigt in seinem über 100 Seiten fassenden Dokument mit dem Titel „Gibt es eine ´net generation´?“, wie und warum er zu diesem Urteil kommt. Er tut dies mit vielen Hinweisen auf interessante Studien und Befunde und mit ebenso zahlreichen Argumenten gegen die mitunter raschen und oberflächlichen Behauptungen und Interpretationen von Forschern und Experten, die es eben damit nicht so genau nehmen.
In einem ersten Schritt stellt Schulmeister die Verfechter des Begriffes der Net Generation vor und referiert ihre wichtigsten Aussagen. Von Mark Prensky bis Diana Oblinger sind alle vertreten. Es folgt ein sehr ausführliches Kapitel über den Generationenbegriff, der ja nicht erst seit der Net Generation genutzt wird, um gesellschaftliche Entwicklungen zu beschreiben, bevor er dann zum empirischen Teil seines Beitrages kommt. Hier stellt er 45 internationale empirische Studien zur Mediennutzung und Nutzermotiven von Kindern und Jugendlichen vor und zeigt Widersprüche und Diskrepanzen zwischen den Proklamationen der Vertreter der Net Generation und dem empirischen Datenmaterial auf.
Für alle, die sich zum einen mit Web 2.0 und Hochschulbildung interessieren, sei dieser Beitrag sehr empfohlen, setzt er sich doch kritisch mit vielen angeblichen Veränderungen der Studierenden von morgen auseinander.

![]() Personen KB IB clear | Sue Bennett, Taiga Brahm, CIBER Centre f. Information Behaviour + the Evaluation of Research, Lisa Kervin, Ray Kurzweil, Karl Maton, Diana G. Oblinger, James L. Oblinger, Marc Prensky, Sabine Seufert, Don Tapscott, Claudia de Witt | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() Begriffe KB IB clear | attention deficit disorder (ADD), attention deficit hyperactivity disorder (ADHD), Auswendiglernen, Browser, Chat, Computer, Digital Immigrants, Digital Natives, Fallmethode, Internet, Kultur, Kulturtechnik, Lernen, Medienbildung, Neurologie, problem-based learning, skype, Software, Telefon | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Texte |
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![]() Nicht erwähnte Begriffe | Arbeitsunterricht, Disputation, E-Mail, Erkundung, Famulatur, Kleingruppen-Lerngespräch, Lernausstellung, Lerndialog, Lernkabinett, Lernkonferenz, Lernnetzwerk, Tutorium, VoIP, Werkstattseminar |
Man mag nicht mit allen Interpretationen und Folgerungen mit Rolf Schulmeister übereinstimmen – muss man ja auch nicht, denn was wäre die Wissenschaft, wenn wir immer aller Meinung sind. Aber ich meine, man kann ihm nur voll und ganz zustimmen, dass wir eines nötig brauchen: Eine transparente und sorgfältige Auseinandersetzung zu diesem Thema, Redlichkeit bei den Aussagen, Beachtung empirischer Studien und eine verantwortliche Deutung der Ergebnisse – aber auch Mut, dem Mainstream zu widersprechen, wenn es denn sinnvoll ist.
Mich beschäftigt diese Diskussion noch auf einer anderen Ebene: Wie kommt es, dass bestimmte Thesen, die für Insider als kaum belegt eingeschätzt werden, in der Öffentlichkeit als "empirische" Evidenz gelten? Man kann schon an der Relevanz empirischer Forschung (ver-) zweifeln: Wenn Einzelne immer wieder die gleichen Thesen vorbringen, mit netten Anekdoten unterfüttern, das Ganze dramaturgisch geschickt und lesbar präsentieren, werden Aussagen zusehends als "valide" wahrgenommen. Könnte es sein, dass die These der "neuen" Generation - mangels Empirie - mehr über den Autor aussagt, über sein Diskrepanz- oder "Entfremdungs"erleben zwischen eigenen Erfahrungen (bzw. der Erinnerung an Kindheitserlebnisse) und seiner Wahrnehmung des Alltags von jungen Menschen, das in der Konstruktion einer "neuen Generation" mündet?
Spricht aus meinen Worten Ärger? Bin ich darüber entsetzt, dass immer wieder Behauptungen
derartiger Globalität aufgestellt und Urteile solcher Reichweite gefällt werden,
ohne sich einer vernünftigen Grundlage versichert und Alternativen geprüft zu haben?
Mein Ziel als Lehrender und Forscher ist es, der Verschiedenheit der Individuen gerecht
zu werden und ihre Diversität im Unterricht zu respektieren. Es scheint mir geradezu
der gegenteilige Weg zu sein, eine Generation zu konstruieren. Ich habe den Eindruck,
dass das Bild der Net Geners ziemlich gut zum Zukunftsbild einer Lehre mit Web
2.0-Methoden passt. Ich verstehe deshalb gut, wenn das Imago der Netzgeneration den
denjenigen gelegen kommt, die sich für die Verbreitung der Web 2.0-Methoden einsetzen
oder sich für eine moderne Lehre engagieren. Aber gerade weil ihr Interesse auf
den Einsatz von Web 2.0-Umgebungen gerichtet ist und sie deren Potenzial (auch) für
das Lernen ahnen, sollten sie lernerzentriert forschen und Argumentationen prüfen.



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| Gibt es eine "Net Generation"?: Gesamtes Buch als Volltext
( : , 3015 kByte; : 2009-12-13)
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Erster Eintrag : 13.03.2008
Letzter Eintrag: 13.03.2008
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