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Beats Biblionetz - Bücher

Sinnlose Wettbewerbe

Warum wir immer mehr Unsinn produzieren
Buchcover

iconZusammenfassungen

»Je mehr Wettbewerb - umso besser«: Schließlich soll sich doch der, die oder das Beste durchsetzen. Also versucht man, auch dort, wo es keinen Markt gibt, künstliche Wettbewerbe zu inszenieren. Diese Produktion von Unsinn schafft zwar Arbeitsplätze, hat jedoch fatale Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft: Sinn wird durch Unsinn verdrängt, Qualität durch Quantität.
Von Klappentext im Buch Sinnlose Wettbewerbe (2010)
Mathias BinswangerAls in der Wissenschaft tätiger Mensch habe ich die in diesem Buch beschriebenen sinnlosen Wettbewerbe und den dabei entstehenden Unsinn selbst erlebt und anfänglich auch mitgemacht. Während der Zeit des Schreibens an meiner Habilitation Mitte der 90er Jahre war ich mehrmals versucht, die ganze Wissenschaft an den Nagel zu hängen. Es kam mir vollkommen absurd vor, den größten Teil meines Lebens mit dem Verfassen von Fachartikeln zu verbringen, die weder mich noch sonst jemand interessieren, aber notwendig sind, um eine akademische Karriere zu verfolgen. Zum Glück fanden sich dann doch immer wieder Nischen, die es mir erlaubten, mich mit spannenden Themen zu beschäftigen. Das ist heute zu einem großen Luxus geworden. Denn Wissenschaftler werden immer mehr dazu gezwungen, sich in staatlich initiierten Wettbewerben um Forschungsgelder zu balgen und einen möglichst großen Publikationsoutput zu produzieren. Doch die Wissenschaft ist keineswegs ein Einzelfall. Künstlich erzeugte Wettbewerbe ohne Markt finden wir auch im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen und nicht zuletzt in privaten Unternehmen, in denen intern eine kleine Planwirtschaft herrscht. Mir wurde immer stärker bewusst, dass es sich hier um ein allgemeines Phänomen handelt, das statt zu mehr Effizienz zur Produktion von immer mehr Unsinn führt.
Von Mathias Binswanger im Buch Sinnlose Wettbewerbe (2010)
Mathias BinswangerDie heutigen gesellschaftlichen Ideale kommen in abstrakten Begriffen wie „Effizienz“, „Exzellenz“, „Leistung“, „Markt“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Innovation“ oder „Wachstum“ zum Ausdruck und in unzähligen Wettbewerben versuchen wir uns gegenseitig mit diesen Idealen zu übertrumpfen. Immer noch effizienter, noch exzellenter, noch wettbewerbsfähiger und noch innovativer muss man werden, auch wenn man in Wirklichkeit gar nicht so genau weiß, warum und wozu. In unserer gründlich durchsäkularisierten Gesellschaft, sind diese Begriffe zu den letzten, nicht mehr zu hinterfragenden Werten geworden, denen zu dienen unser höchstes Ziel ist. Ein anständiger Bürger fragt nicht weiter, warum es immer mehr Wettbewerb oder mehr Wachstum braucht. Vermeintlich muss man sich diese Frage auch gar nicht stellen, denn schließlich leben wir in einer Marktwirtschaft. Und ein Marktwettbewerb sollte automatisch dafür sorgen, dass diejenigen Dinge produziert werden, die am meisten Nutzen stiften. Mit der Produktion sinnloser Dinge käme man da, so scheint es, nicht weit. Dort wo sich mehr oder weniger vollständige Märkte entwickelt und etabliert haben, stimmt das auch. Wer ungenießbare Lebensmittel herstellt, wird bald vom Markt verschwinden. Doch in vielen Bereichen der Wirtschaft gibt es keine oder nur unvollständig funktionierende Märkte. Und da ist man im Zuge einer zunehmenden Markt- und Wettbewerbsgläubigkeit über die letzten Jahrzehnte auf die fatale Idee gekommen, künstliche Wettbewerbe zu inszenieren, um so die angebliche überlegene Effizienz der Marktwirtschaft bis in den hintersten Winkel jeder öffentlichen und privaten Institution voranzutreiben. Mit missionarischem Eifer werden überall Leistungsanreize gesetzt, doch was dabei als Leistung herauskommt, ist in Wirklichkeit ein gigantischer Unsinn. Ein neues Gespenst geht also um in Europa. Es ist das Gespenst des künstlichen Wettbewerbs, welches sich zu einer Ideologie entwickelt hat, in die wir uns verrannt haben.
Von Mathias Binswanger im Buch Sinnlose Wettbewerbe (2010) im Text Ein neues Gespenst geht um in Europa
Mathias BinswangerDas Buch ist folgendermaßen aufgebaut: In einem ersten Teil geht es um das Verhältnis zwischen Markt und Wettbewerb und um die mit künstlichen Wettbewerben ohne Markt verbundenen Illusionen. In Kapitel 2 wird der Idealfall des Marktwettbewerbs dargestellt, auf dem die von Adam Smith beschriebene unsichtbare Hand des Marktes für Effizienz sorgt. Allerdings sind die Bedingungen für diesen Idealfall in der Realität immer nur mehr oder weniger erfüllt und real existierende Märkte demzufolge auch nur mehr oder weniger effizient. Solange jedoch eine vom Angebot unabhängige Nachfrage existiert und ein Preissystem Angebot und Nachfrage aufeinander abstimmt, sorgt der Markt im Allgemeinen für eine bessere Lösung als jedes andere Verteilungssystem. Ohne ein funktionierendes Preissystem ist das aber nicht mehr der Fall und man kann sich die Markteffizienz nicht durch künstliche inszenierte Wettbewerbe ohne Markt herbeizaubern. In den Kapiteln 3 bis 5 werden die hinter dieser Idee stehenden Illusionen erläutert. Kapitel 3 beschreibt die Wettbewerbsillusion, die davon ausgeht, dass sich die Effizienz eines Marktwettbewerbs auch ohne Markt durch künstlich inszenierte Wettbewerbe erreichen lässt. Kapitel 4 handelt von der Messbarkeitsillusion, die uns glauben machen will, dass man qualitative Leistungen mit Kennzahlen messen könne. Und Kapitel 5 beschreibt die Motivationsillusion, die hinter der Idee steckt, dass man Menschen mit Zuckerbrot und Peitsche zu Höchstleistungen verführen kann.
Im zweiten Teil wird dann beschrieben, wo es überall zu Unsinnproduktion kommt und welche Folgen diese mit sich bringt. Kapitel 6 gibt eine Übersicht, wobei neben den drei Hauptbereichen Wissenschaft, Bildung und Gesundheitswesen auch die Unsinnproduktion durch künstliche Wettbewerbe in Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung und bei privaten Großunternehmen angesprochen wird. In Kapitel 7 und 8 werden die beiden Bereiche Wissenschaft und Gesundheitswesen genauer analysiert. Kapitel 7 zeigt, wie künstlich inszenierte Wettbewerbe zur Förderung der Exzellenz in der Wissenschaft zu immer mehr Nonsens führen, was sich vor allem bei den Publikationen beobachten lässt. Kapitel 8 beschreibt die Unsinnproduktion im Gesundheitswesen, wo inszenierte Wettbewerbe zu immer mehr Untersuchungen und Medikamentenvergabe statt individueller Heilung führen. Das abschließende Kapitel 9 enthält einige wichtige Grundsätze für eine zukünftige Politik, die auf künstliche Wettbewerbe verzichtet. Und genau dieser Verzicht ist die wichtigste Forderung dieses Buches.
Von Mathias Binswanger im Buch Sinnlose Wettbewerbe (2010) im Text Ein neues Gespenst geht um in Europa

iconKapitel Unter den anklickbaren Kapiteln finden Sie Informationen über einzelne Teile des gewählten Werks.

iconDieses Buch erwähnt...


Personen
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Martin Beglinger, Mathias Binswanger, Gunter Dueck, Bruno S. Frey, Thomas W. Malone, Hildegard Matthies, Douglas McGregor, Margit Osterloh, Dagmar Simon

Aussagen
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Peer Review-Prozess hat viele später hochgepriesene Publikationen abgewiesen
Peer Review-Prozess stützt bestehende Theorien
Peer-Review-Prozess fördert das strategische Zitieren
Peer-Review-Prozess hat eine niedrige interrater reliability
Publikationsdruck fördert aufgeblasene Autorenlisten
Publikationsdruck fördert Plagiarismus
Publikationsdruck fördert Salamitaktik beim Publizieren
Publikationsdruck fördert Selbstplagiate
Publish or perish!
Qualität lässt sich nicht messen

Begriffe
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Arbeitwork, Aufgeblasene AutorenlistenHonorary Authorship, Bibliometriebibliometry, Bildungeducation (Bildung), Bürokratie, Campells Gesetz, Deutschlandgermany, Drittmittel, Effizienz, EigenplagiatSelf-Plagiarism, Erfolg, EuropaEurope, Freude, Geldmoney, Gesellschaftsociety, Impact FactorImpact Factor, Innovationinnovation, Kobra-Effekt, Managementmanagement, Marktmarket, Mensch, Motivationmotivation, Motivation, extrinsischeextrinsic motivation, Motivation, intrinsische, New Public Management, Peer review Prozess (wissenschaftlich), PublikationsdruckPublish or Perish!, Qualität-Quantitätquality - quantity, Qualitätsmanagement, Salamipublikationenleast publishable unit, SchweizSwitzerland, Theorie X, Theorie Y, USA, Wirtschafteconomy, Wissenschaftscience, Zufriedenheit / Glückhappyness
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Bücher
Jahr UmschlagTitelAbrufeIBOBKBLB
1960The Human Side of Enterprise (Douglas McGregor) 7200
2001  E-Man (Gunter Dueck) 3, 7, 8, 4, 4, 2, 7, 8, 8, 16, 6, 1114189113889
2003     Supramanie (Gunter Dueck) 3, 3, 3, 4, 8, 2, 4, 14, 7, 6, 5, 41811842553
2004The Future of Work (Thomas W. Malone) 1, 1, 1, 2, 1, 3, 1, 1, 5, 2, 2, 2602239
2006Die Tretmühlen des Glücks (Mathias Binswanger) 1, 5, 2, 2, 2, 1, 3, 2, 4, 4, 4, 45324957
2007   Wissenschaft unter Beobachtung (Hildegard Matthies, Dagmar Simon) 1, 2, 1, 1, 1, 3, 2, 6, 7, 6, 1, 525325230
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Texte
Jahr UmschlagTitelAbrufeIBOBKBLB
2008    Anreize im Wissenschaftssystem (Margit Osterloh, Bruno S. Frey) 1, 1, 2, 1, 1, 2, 2, 4, 4, 4, 4, 96289201
2010   In der Falle (Martin Beglinger) 5, 4, 1, 2, 3, 4, 5, 4, 5, 4, 3, 72277292

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Nicht erwähnte Begriffe
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iconErwähnungen Dies ist eine nach Erscheinungsjahr geordnete Liste aller im Biblionetz vorhandenen Werke, die das ausgewählte Thema behandeln.

iconVolltext dieses Dokuments

LokalSinnlose Wettbewerbe: Gesamtes Buch als Volltext (lokal: 466 kByte)

iconStandorte Eine Liste von Orten, wo das Objekt physisch vorhanden ist.

Beat ( 15.10.2017), Werner

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Titel FormatBez.Aufl.JahrISBN      
Sinnlose WettbewerbeDPaperback-020103451064820SwissbibWorldcatBestellen bei Amazon.deBestellen bei ebook.de

iconBeat und Dieses Buch

Beat hat Dieses Buch während seiner Zeit am Institut für Medien und Schule (IMS) ins Biblionetz aufgenommen. Beat besitzt ein physisches und ein digitales Exemplar. (das er aber aus Urheberrechtsgründen nicht einfach weitergeben darf). Aufgrund der vielen Verknüpfungen im Biblionetz scheint er sich intensiver damit befasst zu haben. Es gibt bisher nur wenige Objekte im Biblionetz, die dieses Werk zitieren.

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