
Der Verfasser - Informatiker seit 50 Jahren - hat beobachtet, wie die Informatik sich seit ihren Anfängen gewandelt hat. Die Wissenschaft ist zu großen Teilen zur Technik, ihr zentrales Gerät - der Computer - ist von einer mathematischen Maschine zum Knoten in weltweiten Kommunikationsnetzen geworden. Das mathematische Modell der Turingmaschine hat seine Bedeutung eingebüßt. Die Anwendungen des Computers drängen seine Theorie und Technik immer mehr in den Hintergrund. Das führt nicht nur zu einer Neubestimmung der Informatik, sondern auch zu einer Besinnung darüber, was die Grundgedanken der Informatik, ihre Kernideen, sind.
Die Feier des vierzigjährigen Bestehens des Informatik-Studiums an österreichischen Hochschulen mag ein würdiger Anlaß sein, sich über die Frage "Was ist Informatik?" zu äußern. Die Antwort ist aus mehreren Gründen nicht einfach, denn die Informatik hat sich von ihren Anfängen bis heute in so verschiedene Richtungen entwickelt, daß es kaum noch möglich ist, sie alle unter einem gemeinsamen Dach zu sehen. Sie ist von einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zu einer weltumspannenden Technik, vom Werkzeug zum Denkzeug (E.R. Reichl) geworden, und es ist keine Grenze ihrer Einsatzmöglichkeiten zu erkennen.