
Schülerinnen und Schüler lernen nicht (oder nur sehr selten) genau das, was
Lehrpersonen unterrichten. Der hauptsächliche Grund dafür ist der konstruktivistische
Charakter von Lernprozessen. Wenn also Schülerinnen
oder Schüler etwas Neues lernen, eine neue Kompetenz aufbauen, dann
bestimmt ihr Vorwissen maßgeblich mit, wie sich dieser Prozess vollzieht. Anders
ausgedrückt, Lernen ist ein individueller Prozess, bei dem neue an bestehende Wissenselemente
angeknüpft oder bestehende Wissenselemente umstrukturiert werden.
Das Problem dabei ist: Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich zum
Teil ganz erheblich in ihren Eigenschaften, Fähigkeiten und eben auch in ihrem
Vorwissen.
Ausgehend von diesem Befund stellt dieses Kapitel eine grundlegende Idee vor,
wie Lehrpersonen trotz der Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern
das individuelle Lernen unterstützen können – das Formative Assessment. Der Einsatz
von Techniken des Formativen Assessments trägt wesentlich dazu bei, das Angebot
der Lehrperson so an das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler anzupassen, dass
ein Lernziel auch tatsächlich erreicht wird.