
Die Potenziale digitaler Technologien werden einerseits in der Personalisierung und Individualisierung der Lernangebote und andererseits in der Förderung von Kommunikation und kooperativen Lernprozessen gesehen. Auch digitale Mathematikschulbücher müssen sich in diesem Spannungsfeld verorten. Im Beitrag wird ein kurzer Überblick über die mathematikdidaktische Diskussion um digitale Technologien gegeben. Im Zentrum steht die Analyse der Verortung von digitalen Mathematikschulbüchern im Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Kooperation aus zwei Perspektiven. Zunächst werden derzeit auf dem deutschen Markt angebotene digitale Mathematikschulbücher auf ihre Potenziale zur Unterstützung individueller und kooperativer Lernprozesse hin analysiert. Anschließend wird die Rolle, die diese Potenziale tatsächlich im unterrichtlichen Lernprozess spielen, in einer explorativen Studie untersucht. Es zeigt sich, dass aktuelle digitale Mathematikschulbücher den Schwerpunkt auf Angebote zur Individualisierung des Lernprozesses setzen, diese aber im Unterricht selbst im Verhältnis zur Kooperation mit Mitschüler*innen sowie den Lehrenden eine untergeordnete Rolle spielen.