
Untersucht wird, inwiefern von Latein im Vergleich zu Englisch als Anfangssprache im Gymnasium allgemeine Transfereffekte auf die Intelligenztestleistung sowie eher spezifische Transfereffekte auf muttersprachliche Aktivitäten ausgehen. Im Rahmen einer Längsschnittstudie, in der Selektionseffekte bei der Fremdsprachenwahl kontrolliert werden konnten, wurden am Ende der achten Klasse Schüler mit Latein als erster Fremdsprache (vier Jahre Unterricht) mit Schülern verglichen, die entweder überhaupt kein Latein gelernt hatten oder die nur auf einen zweijährigen Lateinunterricht zurückblicken konnten. Während es nicht die geringsten Hinweise auf Unterschiede in der Intelligenzleistung zwischen Schülern mit Latein und Englisch als erster Fremdsprache gab, zeigten sich hei einigen grammatischen Aktivitäten in der Muttersprache leichte Unterschiede, die auf einen Effekt des vierjährigen Lateinlernens zurückgeführt werden können. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund kognitionspsychologischer Überlegungen zum Wissenstransfer diskutiert.