Altersspezifische Gefährdungslagen und Teilhabemöglichkeiten von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsendenim Hinblick auf somatische, psychische und soziale Gesundheit sowie (straf-)rechtliche Auswirkungen der Nutzung und Gestaltung digitaler Dienste
Annika Baumann, Jörg M. Fegert, Stefan Glaser, Michael Hubmann, Claudia Lampert, Thomas-Gabriel Rüdiger, Judith Simon, Klaus Zierer
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Zusammenfassungen
Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über altersspezifische Gefährdungslagen und Teilhabemöglichkeiten von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden im Hinblick auf somatische, psychische und soziale Gesundheit sowie (straf-)rechtliche Auswirkungen der Nutzung und Gestaltung digitaler Dienste. Im Fokus stehen so genannte Interaktionsrisiken, die im Kontext der Social-Media-Nutzung in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben. Dabei werden auch die Rolle und die besonderen Herausforderungen von KI-Anwendungen und angebotsbezogenen Designaspekten reflektiert.Neben den Risiken und Gefährdungslagen werden auch Aspekte der Befähigung und Teilhabe berücksichtigt, wobei insbesondere die förderlichen Bedingungen für eine positive Entwicklung herausgearbeitet werden. Grundlage bildet dabei ein umfassender Gesundheitsbegriff, der physische, psychische und soziale Dimensionen umfasst. Ebenso wird zwischen kriminalpolitischen und strafrechtlichen Auswirkungen der Nutzung digitaler Dienste unterschieden. Im abschließenden Kapitel werden die von der AG auf der Grundlage der vorgelegten Bestandsaufnahme identifizierten Handlungsfelder und Leerstellen als Grundlage für die Diskussion und Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen zusammengefasst.

Die vorliegende Bestandsaufnahme zielt darauf ab, aktuelle Entwicklungen und Gefährdungslagen, die sich im Kontext der Nutzung digitaler Medien ergeben (können), aufzuzeigen. Dies soll die Potenziale digitaler Medien und auch von KI-gestützten Anwendungen keinesfalls in Abrede stellen. Vielmehr soll die Bestandsaufnahme damit eine Grundlage für die Entwicklung von Handlungsansätzen bereitstellen, die den Schutz, die Befähigung sowie die Teilhabe von Kindern in einer digitalisierten Gesellschaft sicherstellen. Die Kernergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Das Angebot an Online-Plattformen und -Diensten hat sich stark ausgeweitet; verschiedene Angebote werden parallel und partiell genutzt; die digitalen Nutzungspraktiken und entsprechend auch die damit einhergehenden Herausforderungen und digitalen Kompetenzen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich des Alters, des Bildungshintergrundes (der Eltern) und der sozialen Ressourcen.
Die Onlinenutzung erfolgt überwiegend auf mobilen Endgeräten. Dies ist mit einer Gleichzeitigkeit vielfältiger Funktionen und Diensten auf einzelnen Geräten verbunden und erfordert komplexe, plattform- und diensteübergreifende sowie -differenzierte Kompetenzen, um die digitalen Möglichkeiten selbstbestimmt und verantwortungsvoll nutzen zu können.
Das Spektrum an Onlinerisiken ist sehr breit gefächert. Interaktionsrisiken gewinnen mit zunehmendem Alter an Bedeutung. Viele Onlinerisiken stellen zudem strafbare Handlungen dar. Entsprechend treten Minderjährige hier sowohl als Betroffene, als auch vermehrt selbst als Tatverdächtige in Erscheinung.
Problematische Angebotsdesigns (u. a. Dark Patterns) erhöhen das Gefährdungspotenzial. Dark Patterns zielen auf die Aufmerksamkeit und die Interaktionsbereitschaft der Nutzenden bzw. nutzen deren Unerfahrenheit und geringe Selbstregulationskompetenz aus, was u. a. zu extensiven Nutzungszeiten und zur Verstärkung problematischer Nutzungsmuster führen kann, wie z. B einer übermäßigen Nutzung (Stichwort: Doomscrolling), kontinuierlichen sozialen Vergleichen, Online-Abhängigkeiten etc.
KI kann ebenfalls Risiken verstärken. Algorithmen von Diensten und die daraus resultierende Kuratierung und Einspielung von immer gleichen bzw. ähnlichen Inhalten in Social-Media-Feeds kann zu einer Bildung und Verdichtung antisozialer bzw. inhumaner Blasen führen. Sie öffnen nicht nur Extremisten und Sexualstraftätern Tür und Tor für Manipulationsversuche und Missbrauch, sondern bergen auch die Gefahr, selbstgefährdende Verhaltensweisen zu verstärken. Mit den zunehmenden Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten mit Chatbots und Robotern können sich die genannten Risiken verschärfen und mitunter neue entstehen.
Hinsichtlich der Wirkung von online-bezogenen Risiken erweisen sich individuelle und kontextuelle Unterschiede als zentral. Kleine Kinder sowie Jugendliche mit psychischen Störungen oder Belastungs- und Traumaerfahrungen sind besonders vulnerabel. Eine nicht alters-, entwicklungsangemessene und unbegleitete Nutzung kann sich nachteilig auswirken. Dabei korreliert das elterliche Medienverhalten (eigene Bildschirmzeit, Nutzung in Anwesenheit des Kindes) signifikant mit der kindlichen Mediennutzung und Entwicklungsständen. Den Eltern kommt eine wichtige Funktion als digitale Vorbilder und Adressaten medienpädagogischer und jugendschutzbezogener Maßnahmen zu (Elsaesser, 2017).
Nicht nur außerschulische Kommunikation verlagert sich zunehmend und immer früher in digitale Räume; auch in der Schule erfolgen Organisation und Kommunikation vielfach digital – etwa über Klassenchats, Schulplattformen. Eine systematische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der digitalen Transformation sowie eine entsprechend umfassende Medienbildung finden jedoch nach wie vor zu wenig im schulischen Kontext statt.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Befunde der Medienwirkungsforschung heterogen und inkonsistent sind. Viele Studien basieren auf Selbstauskünften und Querschnittsdaten. Da bestimmte Determinanten erheblich variieren können und die typische Nutzung sozialer Medien fragmentiert stattfindet, sind zuverlässige Aussagen über deren Auswirkungen auf das Wohlbefinden nur eingeschränkt möglich.
Eine wesentliche Leerstelle betrifft die uneinheitliche Verwendung zentraler Begrifflichkeiten, die je nach Disziplin (z. B. Kommunikationswissenschaft, Psychologie, Kriminologie), aber auch innerhalb von Disziplinen teilweise erheblich variiert. Diese begrifflichen Divergenzen erschweren sowohl eine konsistente Operationalisierung und belastbare Befundlage als auch die Entwicklung konkreter Maßnahmen.
Weitere Leerstellen wurden überdies in Bezug auf angebotsdifferenzierte Längsschnittstudien, Forschung zu jüngeren Zielgruppen (und Erziehungsberechtigten), und Evaluationsstudien zu konkreten Maßnahmen festgestellt. Da Selbstauskunftsdaten zunehmend nicht mehr ausreichen, um Mediennutzung differenziert abzubilden, besteht zudem ein Bedarf (niedrigschwelligen) Zugängen zu Nutzungs- und Interaktionsdaten der Plattformbetreiber.
Eine weitere Leerstelle wird in der bislang unzureichenden Einbeziehung relevanter Perspektiven (z. B. Kriminologie und Sicherheitsbehörden/Polizei) gesehen. Dies betrifft sowohl die präzisere Klärung von Begrifflichkeiten und strafrechtlichen Tatbeständen als auch die Entwicklung von präventiven Angeboten bzw. Maßnahmen.
Zwar wurde auf die verstärkende Rolle von KI in Bezug auf Gefährdungslagen hingewiesen, es besteht jedoch zugleich ein erhöhter Forschungsbedarf im Hinblick auf die sich verändernden Nutzungspraktiken (z. B. Nutzung von KI als Beratungstool oder Entscheidungshilfe) und Beziehungsformen zu KI (z. B. Zu Chatbots), der daraus resultierenden Risiken sowie geeigneter und umsetzbarer Regulierungsansätze.
Schließlich wurde auch die Medienbildung und Kompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen – ebenso wie die von Lehrkräften, Eltern und Erwachsenen - im Hinblick auf mögliche Gefährdungslagen und Präventionsansätze als bislang konzeptionell unterentwickelter Bereich identifiziert.
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