Die elektronischen Medien prägen das Leben der Heranwachsenden in einem Mass, das die Grundsätze der herkömmlichen Pädagogik in Frage stellt. Jugendliche sind übers Internet mit Dingen konfrontiert, die man früher in einem Schonraum von ihnen fernzuhalten wusste. Wie ist darauf sinnvoll zu reagieren?
Von Allan Guggenbühl im Text Abschied vom pädagogischen Schonraum? (2010) Dazu braucht es eine Pädagogik, die das Schreckliche zum Thema macht, mit dem
die Jugendlichen im Internet konfrontiert werden. Das Abgründige darf nicht länger
für später aufgespart werden. Die unheimliche Faszination der Gewalt, die
Anziehungskraft der Pornografie, die mögliche Freude an Zerstörung oder Täuschung
müssen zu Themen der Erziehung und Bildung werden. Wir dürfen nicht zulassen,
dass unsere Söhne und Töchter diesen Themen alleine ausgeliefert sind. Dieses
Umdenken ist nicht einfach. Alte Denkmuster müssen überwunden werden. Viel lieber
würden wir natürlich weiterhin vom Guten, Wahren und Schönen berichten und das
Böse aus dem Umkreis der Kinder verbannen. In der Pädagogik indes dürfen wir nicht
mehr nur von Idealsituationen ausgehen, sondern müssen eine Kultur des Umgangs
mit dem Doppelbödigen und Abgründigen im Menschen vermitteln. Die Kinder und
Jugendlichen haben in der Welt von heute als Projektträger für eine bessere Welt
ausgedient.
Von Allan Guggenbühl im Text Abschied vom pädagogischen Schonraum? (2010)