
Will man Medienpädagogik auch als Teil der Kulturwissenschaft im Sinne der Cultural Studies etablieren, dann gibt es im Sinne von David Buckingham zwei Ansatzpunkte. Zum einen sind es die kulturellen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen, die Teil der heutigen Kindheit sind und die sie auch definieren. Zu diesen kulturellen Erfahrungen gehören zunehmend mehr multimediale Texte. Buckinghams zweiter Ansatzpunkt ist die Handlungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen, die ihnen hilft, den medialen Textangeboten Bedeutung zu verleihen. Die Handlungsfähigkeit, im Englischen „Agency“, ist die Basis für die Entwicklung von Literalität als Teilhabe an Kultur und Gesellschaft. Handlungsfähigkeit von Kindern ist Teil der Bedeutungskonstitution und Basis für die Entwicklung von Literalität in der Schule. Literalität heißt hier mehr als nur Lesekompetenz. Sie greift über den Gedanken einer kompetenten Mediennutzung hinaus und schließt die gelebte Praxis von Kindern bzw. Jugendlichen in Sachen Medien ein, was vom Medienkonsum und den dabei ablaufenden Deutungsprozessen bis zur eigenen Mediengestaltung reicht. Dieses Konzept von Literalität als kulturelle Praxis von Kindern und Jugendlichen gibt Medienpädagogik die Chance, sich kulturwissenschaftlich zu definieren und über die Medienrezeption der Subjekte hinaus das Verhältnis von Medienproduktion, Medientexten und Publikum zur theoretischen Grundlage auch eines Curriculums zu machen.