
In diesem Beitrag, der sich um den Begriff der Pädagogisierung dreht und der
auch den Untertitel Warum und wie wir denken, dass Erziehung und Bildung
die Lösung aller möglichen Arten von Problemen ist tragen könnte, geht es nicht
primär um Erziehung und Bildung, nicht um Kinder, nicht um Schulen oder
Lernen, und auch nicht um Lehrpläne oder Lehrbücher, sondern letztlich um
unser Selbst als Konstruktion der Moderne. Es geht um die Sichtbarmachung
der Gründe bzw. darum, die beiden miteinander zusammenhängenden Fragen
zu beantworten, (1) warum wir – verglichen mit früheren Zeiten – über ausdifferenzierte
Schulsysteme, akademisch ausgebildete LehrerInnen, ja sogar über
sehr gut besuchte universitäre Studiengänge zur Thematik „Erziehung und
Bildung“ verfügen, welche die Schule oder die LehrerInnenbildung nicht oder
nur entfernt betreffen, und (2) warum wir mit so vielen Bildungsreformen konfrontiert
sind, deren Effekt einzig die Frustration von LehrerInnen zu sein
scheint. Die (vor)schnelle Antwort auf diese Fragen lautet, dass die Menschen
erkannt haben, dass Erziehung wichtig ist, dass Bildung einen Unterschied macht
und dass die Schulbildung zu sozialer Gerechtigkeit beitragen kann. Gleichzeitig
braucht die gute Bildung aber auch gute LehrerInnen und diese benötigen
eine akademische Ausbildung auf der Grundlage von wissenschaftlicher Forschung,
wobei diese Forschung – wie jede andere Forschung auch – rationalen
und internationalen Kriterien entsprechen muss und Reformen auf gesicherten
Erkenntnissen aus der Forschung basieren müssen.