
Im Zuge der medialen Durchdringung aller Lebensbereiche sind Medien zum Gegenstand vieler Wissenschaften geworden. Medientheoretische Betrachtungen finden sich unter anderem in Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Politologie, Philosophie und Literaturwissenschaft. Neben universalen Mediendebatten gibt es Diskurse zu Einzelmedien und je nach Perspektive treten ästhetischer Ausdruck, erzieherisches Potential, gesellschaftliche Auswirkungen oder individuelles Erleben in den Fokus. Verschiedene Definitionen des Medienbegriffs stellen entweder Technik, Funktion oder Inhalte in den Vordergrund. Folglich kann von 'der' Medientheorie nicht die Rede sein (Kloock & Spahr, 2000). Lernziel dieses Kapitels ist es, ausgewählte medientheoretische Fragestellungen und Ansätze in ihrer Bedeutung für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien zu erschließen. Wenn Computer und Internet einem 'traditionellen' Lernmedium wie dem Buch oder der Overheadfolie vorgezogen werden, so sollte der Grund in den jeweils spezifischen Eigenschaften und Fähigkeiten des Mediums liegen. Wer reflektiert, inwieweit Medien eine Grundbedingung unseres Denkens und Handelns darstellen, gewinnt an Urteilsvermögen hinsichtlich der Chancen und Grenzen spezifischer Medien im Informations- und Kommunikationsalltag. Medientheorien eröffnen zudem eine historische Perspektive auf aktuelle Debatten um Gefahren und Potentiale virtueller Welten.