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Beats Biblionetz - Begriffe

Kobra-Effekt

Dieses Biblionetz-Objekt existiert erst seit Oktober 2017. Es ist deshalb gut möglich, dass viele der eigentlich vorhandenen Vernetzungen zu älteren Biblionetz-Objekten bisher nicht erstellt wurden. Somit kann es sein, dass diese Seite sehr lückenhaft ist.

iconBiblioMap Dies ist der Versuch, gewisse Zusammenhänge im Biblionetz graphisch darzustellen. Könnte noch besser werden, aber immerhin ein Anfang!

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iconSynonyme

Kobra-Effekt, Cobra effect, rat effect, Ratten-Effekt

iconDefinitionen

Der Kobra-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Maßnahmen, die getroffen werden, um ein bestimmtes Problem zu lösen, dieses auch verschärfen können.
Von Wikipedia, erfasst im Biblionetz am 14.10.2017
The cobra effect occurs when an attempted solution to a problem makes the problem worse, as a type of unintended consequence. The term is used to illustrate the causes of incorrect stimulation in economy and politics.
erfasst im Biblionetz am 14.10.2017

iconBemerkungen

Mathias BinswangerWährend der Kolonialzeit hatten die Franzosen in Hanoi (Vietnam) mit einer Rattenplage zu kämpfen. Um deren Zahl zu reduzieren, beschlossen sie, den Bewohnern von Hanoi für jeden abgelieferten Rattenpelz eine Prämie zu bezahlen. Das Resultat dieses künstlich inszenierten Wettbewerbs: Die Bewohner von Hanoi begannen damit, Ratten zu züchten, was die Rattenplage wesentlich verschlimmerte. Mit andern Worten: der messbare Indikator (Zahl der abgelieferten Rattenpelze) stand bald einmal in einer negativen Korrelation zur tatsächlich erwünschten Leistung (Reduzierung der Zahl der Ratten), was zu einem perversen Anreiz führte.
Von Mathias Binswanger im Buch Sinnlose Wettbewerbe (2010) im Text Ein neues Gespenst geht um in Europa
Mathias BinswangerDas zweite Beispiel betrifft wiederum China. Im 19. Jahrhundert wurden dort Knochen von Dinosauriern entdeckt; die mit diesen Knochen beschäftigten Wissenschaftler (Paläontologen) versuchten, die chinesischen Bauern dazu zu animieren, sich ebenfalls an der Knochensuche zu beteiligen. Zu diesem Zweck bezahlten sie ihnen für jeden abgelieferten Teil eines Knochens eine Geldprämie. Die Bauern ließen sich diese Chance zur Aufbesserung ihres Einkommens nicht entgehen. Wann immer sie jetzt einen größeren Knochen fanden, zerschlugen sie diesen in kleinere Teile, um auf diese Weise möglichst hohe Geldprämien zu kassieren. Auch in diesem Fall stand der messbare Indikator (Zahl der abgelieferten Knochenteile) nach kürzester Zeit in einer negativen Korrelation zur eigentliche erwünschten Leistung (Möglichkeit der Rekonstruktion von Dinosauriern).
Von Mathias Binswanger im Buch Sinnlose Wettbewerbe (2010) im Text Ein neues Gespenst geht um in Europa
Mathias BinswangerAuch das zweite Beispiel (Dinosaurierknochen) ist hochaktuell. So werden Wissenschaftler heute danach beurteilt, wie viele Artikel sie in angesehenen Fachzeitschriften publizieren. Das führt zu einem gnadenlosen Publikationswettbewerb. Zuviel Inhalt in einen einzigen Artikel hineinzupacken wäre deshalb unklug. Also zerstückeln Wissenschaftler eine Idee in chens eine Geldprämie. Die Bauern ließen sich diese Chance zur Aufbesserung ihres Einkommens nicht entgehen. Wann immer sie jetzt einen größeren Knochen fanden, zerschlugen sie diesen in kleinere Teile, um auf diese Weise möglichst hohe Geldprämien zu kassieren. Auch in diesem Fall stand der messbare Indikator (Zahl der abgelieferten Knochenteile) nach kürzester Zeit in einer negativen Korrelation zur eigentliche erwünschten Leistung (Möglichkeit der Rekonstruktion von Dinosauriern). Heute ist man geneigt, die Naivität der französischen Kolonialregierung bzw. der Paläontologen zu belächeln. Doch wie wir gleich sehen werden, sind diese Beispiele hochaktuell. Ersetzen wir im ersten Beispiel die Ratten durch Krankheiten, die Bewohner von Hanoi durch Ärzte und die französische Kolonialregierung durch das staatliche Gesundheitssystem, dann haben wir eine ziemlich gute Beschreibung der gegenwärtigen Situation. Natürlich ist es nicht so, dass Ärzte bzw. die hinter ihnen stehende Pharmaindustrie direkt Krankheitserreger züchten und dann die Bevölkerung damit verseuchen. Das brauchen sie auch gar nicht zu tun. Es reicht, immer neue Krankheiten zu „entdecken“, deren Bekämpfung oder Vermeidung (Prävention) man sich dann bezahlen lässt. So wie die Bewohner für abgelieferte Rattenpelze bezahlt wurden, so werden Ärzte für geheilte bzw. verhinderte Krankheiten bezahlt. Es lohnt sich also für diese, stets neue Gesundheitsdefizite zu entdecken und diese dann mit aufwendigen Behandlungen zu minimieren. Das Resultat davon sind stets steigende Gesundheitskosten und eine stets krank bleibende Gesellschaft. Auch das zweite Beispiel (Dinosaurierknochen) ist hochaktuell. So werden Wissenschaftler heute danach beurteilt, wie viele Artikel sie in angesehenen Fachzeitschriften publizieren. Das führt zu einem gnadenlosen Publikationswettbewerb. Zuviel Inhalt in einen einzigen Artikel hineinzupacken wäre deshalb unklug. Also zerstückeln Wissenschaftler eine Idee in mehrere kleine Teilideen. Mit dieser „Salamitaktik“ werden neue Ideen oder interessante Datensätze so dünn wie Salamischeiben aufgeschnitten, um die Anzahl der Publikationen zu maximieren. Damit dann der einzelne Artikel trotzdem noch nach etwas aussieht, werden inhaltliche Belanglosigkeiten zu hochkomplexen formalen Modellen aufgeblasen oder in schwülstigen Wissenschaftsjargon verpackt, um von der Banalität des Inhalts abzulenken. Aufgrund dieses Zerstückelungsprozesses sind Inhalte in vielen wissenschaftlichen Artikeln zu einer Nebensache verkommen, was zählt, ist die Form: ein schönes Modell, ein komplexes Gleichungssystem, raffinierte Experimente, Daten, die mit ausgeklügelten statistischen Verfahren untersucht werden.
Von Mathias Binswanger im Buch Sinnlose Wettbewerbe (2010) im Text Ein neues Gespenst geht um in Europa

iconErwähnungen Dies ist eine nach Erscheinungsjahr geordnete Liste aller im Biblionetz vorhandenen Werke, die das ausgewählte Thema behandeln.

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Verweise auf Kobra-Effekt 8
2017