
Dem öffentlichen Diskurs sind die Vergnügungen der Menschen meist suspekt. Sie entsprechen nicht dem Kunstgenuss der Hochkultur.
Das Vergnügen wird ausgegrenzt und die Ablehnung des Vergnügens dient als Mittel der Distinktion. Sie beruht auf der manichäischen
Entgegensetzung der einsamen Geistesklarheit des Intellektuellen einerseits und der Stumpfsinnigkeit des ‚Massenmenschen’
andererseits' (Eco 1984, S. 23), mit welcher nach Kant (1977) der Reflexions-Geschmack' der bürgerlichen Intellektuellen
vom Sinnen-Geschmack' der Massenmenschen unterschieden wird (vgl. auch Bourdieu 1984, S. 761 ff.). In der Tradition der Aufklärung
kann für die herrschenden bürgerlichen Eliten nur Information bzw. Bildung das Maß aller Dinge sein, Unterhaltung unterläuft
diesen Anspruch, weil die populären und ästhetischen Vergnügungen der Massen sich dem rationalen Diskurs widersetzen und damit,
zumindest teilweise auch subversiven Charakter haben können (vgl. Mikos 2000). Die Unterscheidung stellt eine gesellschaftliche
Diskurspraktik dar, die sich nicht nur in den im Alltag zirkulierenden Geschmacksurteilen zeigt, sondern auch in der Praxis
der Medienbildung, die noch vorwiegend an den Idealen einer bürgerlichen Hochkultur orientiert ist und die informellen Lerneffekte
populärkultureller Praktiken von Kindern und Jugendlichen gern negiert.