Digidaktik oder Datadaktik?


Universität Frankfurt, 20.09.2019

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Seite generiert am 25.09.2019
 
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These Lehrmittel: Analoges prägt Inhalt, Digitales prägt Methode

Verweise auf Biblionetz-Objekte:

Zu Zeiten des traditionellen gedruckten Schulbuchs war dieses die hauptsächliche Informationsquelle für Schülerinnen und Schüler. Es war für die Lehrperson nicht so einfach, zusätzliche oder alternative Quellen zur Verfügung zu stellen, wie dies heute dank des Internets möglich ist. Ergo: Das Schulbuch hat den Inhalt des Unterrichts so massgeblich geprägt, dass oft vom Lehrmittel als heimlicher Lehrplan gesprochen wurde.

Das gedruckte Schulbuch enthielt zwar auch eine didaktische Absicht und bietet entsprechende Hinweise und Aufgaben. Es ist für die Lehrperson jedoch vergleichsweise einfach, andere Aufgaben für Schülerinnen und Schüler zu formulieren. Somit spurt das gedruckte Lehrmittel zwar einen gewissen didaktischen Weg vor, es aber relativ einfach, davon abzuweichen.

In Zeiten des Internets ist das Lehrmittel eine Informationsquelle unter vielen. Wikipedia oder eine Google-Suche sind nur einen Klick entfernt. Lehrpersonen können vergleichsweise einfach, andere oder zusätzliche Quellen zur Verfügung stellen und sie können auch nicht verhindern, dass Schülerinnen und Schüler das auf eigene Faust tun. Somit prägt heute ein Lehrmittel den Inhalt des Unterrichts weniger stark als früher.

Werden jedoch digitale Lehrmittel verwendet, die nicht einfach Fotografien des gedruckten Schulbuchs sind, so enthalten sie Aufgaben, bei denen digitale Artefakte zu bearbeiten und/oder Ergebnisse in der Lernumgebung abgegeben werden müssen und evtl. automatisiert korrigiert werden. Je digitaler ein Lehrmittel, desto eher werden Lernprozesse digital unterstützt oder gar vorgegeben sowie protokolliert. Gewisse Lernumgebungen halten fest, wann welche Aufgaben gelöst worden sind und wie lange jemand daran gearbeitet hat. Manche Systeme geben auf Knopfdruck das richtige Ergebnis einer Aufgabe preis, andere nicht. Einige Systeme unterscheiden zwischen Lehrpersonen und Lernenden, andere geben Lehrpersonen keine besonderen Rechte.

Insgesamt ist in einem digitalen Lernsystem ein gewisses Bild des Lehrer-Schüler-Verhältnisses einprogrammiert und es kann für Lehrpersonen schwierig sein, sich dieser vorprogrammierten Sichtweise zu widersetzen und anders zu unterrichten. Deshalb meine These, dass digitale Lehrmittel die Methode stärker prägen als analoge Lehrmittel.