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Beats Biblionetz - Begriffe

Lesesucht

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iconBemerkungen

Diese Lesesucht ist eine unmäßige Begierde, seinen eigenen unthätigen Geist mit den Einbildungen und Vorstellungen Anderer, aus deren Schriften vorübergehend zu vergnügen. Man liest, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu - lesen; man lieset das Wahre und das Falsche prüfungslos durcheinander, ohne Wißbegier, sondern mit Neugier.
in der Zeitschrift Bayerischer Schulfreund (1867) auf Seite 347
Kathrin PassigSascha LoboAus kulturpessimistischer Perspektive dürfte das Abendland inzwischen acht bis elf Mal nachvollziehbar untergegangen sein. 1821 wurde vor der Lesesucht gewarnt, bei der man «das Wahre und das Falsche prüfungslos durcheinander» liest, 1908 hieß es, Groschenhefte zerstörten «den Sinn für Wirklichkeit und Wahrheit», und 1979 war zu lesen, das Fernsehen mache «die Zuschauer immer unfähiger, das Wirkliche vom Nichtwirklichen, das Innen vom Außen, Selbsterfahrenes von Eingetrichtertem zu unterscheiden».
Von Kathrin Passig, Sascha Lobo im Buch Internet - Segen oder Fluch (2012) im Text Das Gute, das Schlechte und das Hässliche auf Seite 119
TA SWISS Zentrum für Technikfolgen-Abschätzung«Die Lesesucht ist eine unmässige Begierde, seinen eigenen, unthätigen Geist mit den Einbildungen und Vorstellungen Anderer aus deren Schriften vorübergehend zu vergnügen. Man lieset, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu lesen; man lieset das Wahre und das Falsche prüfungslos durcheinander, ohne Wissbegier, sondern mit Neugier. (…) Man gefällt sich in diesem behaglichen, geschäftigen Geistesmüssiggang, wie in einem träumenden Zustande.» Pfarrer Heinrich Zschokke (1821)
Von TA SWISS Zentrum für Technikfolgen-Abschätzung, Christine D’Anna-Huber im Buch Digital Natives (2011) auf Seite 18
Bereits im 16. und 17. Jahrhundert wurde heftig über den Nutzen der «neuen» Medien gestritten. Im Jahr 1821 befassten sich wohlmeinende Fachkräfte mit der Gefahr der Lesesucht. Sie warnten davor, dass das Lesen «keine Mühe» sei, sondern «ein Spiel*, ein Zeitvertreib, eine Schwelgerei, welche lediglich auf die «Verführung der Einbildungskraft und auf nichts Höheres» abziele. Das Lesen stelle dann eine grosse Gefahr dar, warnten sie, wenn man nicht lese, um sein Wissen zu vergrössern, sondern nur, um sich zu unterhalten - und womöglich noch Spass daran zu haben. Das blosse Lesen sei ein «Müssiggang des Geistes», der bewirke, dass man sich nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren könne.
Von Dominique Bühler, Inge Rychener im Buch Handyknatsch, Internetfieber, Medienflut (2008) auf Seite 10
Die dritte Situation ist dem Räisonierenden baurengespräch, über das bücher lesen und den üsserlichen gottesdienst entnommen, einem Theaterstück, das Ulrich Bräker (1735-1798) im Jahr 1777 verfasste, und das die Probleme verhandelt, die das Lesen im Toggenburg, einer frühen protoindustriellen Region, mit sich bringt (Sauder 1979: 175). Darin kritisiert eine Grete das «büchernaschen » ihres Mannes. Sie hatte ihn «vor dem mittagessen ob das hauss, hinter ein gebüsch» (Kantonsbibliothek St. Gallen, Vadiana: Ms. 918: p. 23) in Beaumonts Kindermagazin (vgl. Brüggemann/Ewers 1982) lesend angetroffen und Krach geschlagen. Was sie ihrem Manne vorwirft, ist seine Pflichtvergessenheit, die bei den kargen ökonomischen Verhältnissen, wo vorerst die «notdurfft» befriedigt werden musste, um so schwerer wog. Darüber hinaus deutet sie das stille Lesen ihres Mannes als eine Form verweigerter Kommunikation: «[D]ennk doch, wann du ein weib wärst; und dein mann würde dich immer fliehn, [...] oder mit einem buch dahoken, kein wort sagen, kein mund regen, kein aug bewegen, als wann du ein stummer hund wärest: würd dir dein leben nicht säur, und ewig langweilig seyn.»
Von Heinz Bonfadelli, Priska Bucher im Buch Lesen in der Mediengesellschaft (2002) auf Seite 72
als das Aufgeschriebene mit der Massenproduktion von Büchern und der Alphabetisierung der Bevölkerung im 18. Jahrhundert schließlich ein breites Lesepublikum fand (vor allem unter den auf die häusliche Rolle festgelegten Mädchen und Frauen), so wurde intensiv über die Risiken und Gefahren der neuen „Lesesucht“ diskutiert: Sie mache träge, führe zur Vernachlässigung von Haushalt und Kindererziehung, begünstige durch die romantischen und erotischen Inhalte der Belletristik gar Realitätsverlust und Sittenverfall, wenn nicht Suizid (Barth 2002; Künast 2013). Während Pädagogen noch vor rund 150 Jahren versuchten, Jugendliche davon abzuhalten, Flauberts „Madame Bovary“ oder „Die Leiden des jungen Werthers“ von Goethe zu lesen, gehören diese Werke inzwischen zum Schulstoff. Das Buch wird heute als Kulturmedium schlechthin gefeiert, auch wenn es – wie in den beiden genannten Beispielen – sympathisierend Ehebruch oder Selbsttötung der Protagonisten darstellt.
Es lohnt sich, aktuelle Internetkritik auch aus einem historischen Blickwinkel zu betrachten, denn die Hauptargumente, die gegen ein jeweils neu sich etablierendes Medium vorgebracht werden, ähneln sich über die Jahrhunderte hinweg verblüffend stark. Doch mit dem Verweis auf die Buchkritik ist die Internetkritik natürlich ebenso wenig entkräftet wie mit anekdotischen Beispielen, die aus dem jeweils subjektiven Erleben der Betroffenen Vorzüge oder Nachteile des Internet illustrieren.
Von Nicola Döring in der Zeitschrift Der Bürger im Staat 4/2014 im Text Psychische Folgen der Internetnutzung (2014)

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(Cozitation)
Drogedrug, Fernsehentelevision, Lesekompetenz, Avataravatar, Krankheit

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