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Beats Biblionetz - Begriffe

MOOCMassive Open Online Course

iconBiblioMap Dies ist der Versuch, gewisse Zusammenhänge im Biblionetz graphisch darzustellen. Könnte noch besser werden, aber immerhin ein Anfang!

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iconSynonyme

MOOC, Massive Open Online Course

iconDefinitionen

Bezeichnet eine Form von Onlinekursen, welche offen für alle eingeschriebenen Studenten sind und zahlreiche (massive) Teilnehmerzahlen aufweisen. Während xMOOCs auf Video aufgezeichnete Vorlesungen mit anschliessenden Prüfungen sind, so verfolgen die cMOOCs die Idee eines Seminars oder Workshops und sind eher lernzentriert, informell und den sozialen Medien verpflichtet.
Von Karin Frick, Bettina Höchli im Buch Die Zukunft der vernetzten Gesellschaft (2014) auf Seite 67
Jochen RobesMit Blick auf den CCK08 und ihm nachfolgende Kurse kann heute festgehalten werden: Massive Open Online Courses besitzen meist eine feste Agenda mit verschiedenen Themen, die im Wochenrhythmus wechseln. Häufig geben die Gastgeber Lektüreempfehlungen für die einzelnen Themen, organisieren regelmäßige Live-Events mit Referenten und schlagen den Teilnehmenden konkrete Aktivitäten und Aufgaben vor, um sich mit dem Thema der Woche auseinanderzusetzen. Vor allem aber machen sie die Teilnehmenden mit ihrer Rolle als Lernende im Rahmen eines MOOC vertraut: wie sie sich in der für viele anfangs unübersichtlichen Struktur eines MOOC orientieren; wie sie für sich Routinen des selbst organisierten Lernens entwickeln, sich mit ihren Aktivitäten im Kurs vernetzen und welche Möglichkeiten der Partizipation sie besitzen.
Von Jochen Robes im Buch Handbuch E-Learning im Text Massive Open Online Courses (2012)
Jochen RobesMassive Open Online Courses sind noch ein relativ junges Phänomen. Der Begriff, häufig abgekürzt mit dem Akronym »MOOC«, entstand im Vorfeld eines offenen Online-Kurses, den George Siemens und Stephen Downes im Herbst 2008 starteten. Dieser Kurs mit dem Titel »Connectivism and Connective Knowledge« war in vielerlei Hinsicht ein neues und innovatives Lernangebot: Er sollte 14 Wochen dauern und nur im Netz stattfinden. Jeder Interessierte war eingeladen, an ihm teilzunehmen. Der Zugang war für alle, die einen Netzanschluss besaßen, offen. Man musste sich bei keinem Bildungsträger oder Bildungsanbieter anmelden, es gab keine festen Lernziele, keine Pflichtveranstaltungen, keine Tests und Prüfungen, sondern nur das Versprechen auf gemeinsame Lernaktivitäten und Lernerfahrungen. »This course will be a different type of learning experience«, lautete die Begrüßung durch die Gastgeber (http://ltc.umanitoba.ca/wiki/Connectivism_ 2008).
Von Jochen Robes im Buch Handbuch E-Learning im Text Massive Open Online Courses (2012)
Claudia BremerDas Konzept der Open Online Courses startete mit einer Idee von David Wiley, der 2007 einen wikibasierten Kurs unter dem Titel Open Ed Syllabus durchführte, welcher verschiedene Themen der Open Education behandelte.1 Bekannt wurde das Konzept dann vor allem durch eine Initiative von George Siemens und Stephen Downes an der Universität Manitoba, die im Herbst 2008 einen offenen Online-Kurs zum Thema Connectivism & Connective Knowledge durchführten, der unter dem Kürzel CCK08 bald zum Markenzeichen für das neue Format wurde. Im Zusammenhang mit diesem von den beiden international in der Bildungsszene bekannten Kanadiern betreuten Kurs wurde der Ansatz des Connectivismus2 erstmals bekannt, auf dessen konzeptionellen Überlegungen sich Open Online Courses heute oftmals beziehen. Seit diesem Kurs wurde das Format weltweit von einer ganzen Reihe verschiedener Bildungsakteure aufgegriffen und inzwischen fi nden unter dem Begriff MOOCs (Massive Open Online Courses) zahlreiche Angebote zu den verschiedensten Themen statt, die teilweise mehrere tausend Teilnehmende
Von Claudia Bremer im Konferenz-Band Digitale Medien - Werkzeuge für exzellente Forschung und Lehre (2012) im Text Open Online Courses als Kursformat?
Rolf SchulmeisterWelche Merkmale zeichnen die MOOCs eigentlich aus, was unterscheidet sie von der herkömmlichen Hochschulausbildung? Ich will versuchsweise mal zehn Merkmale formulieren, die ihnen gemeinsam zu sein scheinen:
  1. OPEN, 1. Bedeutung: Es gibt keine Zugangsvoraussetzungen. Die Kurse sind für jeden offen.
  2. MASSIVE: Es gibt keine Teilnehmerbeschränkung. Es können unbegrenzt viele Personen teilnehmen.
  3. OPEN, 2. Bedeutung: Die Kurse werden kostenlos angeboten. Für Lehrtexte bemüht man sich um kostenlose Versionen.
  4. ONLINE: Die Kurse werden vollständig online durchgeführt. Es kann daher keine technischen oder nassen Laborphasen geben.
  5. Die Kurse werden nach festem Kursplan wöchentlich durchgeführt, 6-8 Wochen lang, in einer festen Struktur.
  6. Es gibt eine Lehrperson, die an einem Tag der Woche mehrere Kurzvorlesungen in Videoformat in die Plattform stellen lässt, wobei die Videos in der Summe ungefähr einer Vorlesungsstunde (45 min.) entsprechen.
  7. Die Videosequenzen werden durch Tests unterbrochen und mit einem Test beendet; Tests schließen die Woche ab. Es gibt eine Prüfung in der Mitte des MOOCs und eine am Ende.
  8. Die Videos der Vorlesung werden um Foren ergänzt: Die Teilnehmenden können in den Foren kommunizieren, um Hilfe bei anderen nachsuchen und andere unterstützen.
  9. Die Anbieter von MOOCs sind von ähnlichen Motiven getrieben: Thrun wendet sich gegen hohe Studienkosten, plädiert für die Öffnung der Hochschulausbildung und die Demokratisierung der Bildung. Kollers Auftritt bei TED offenbart missionarische Züge, sie ist fasziniert durch die weltweite Ausstrahlung, die sie als eine Art Entwicklungshilfe in der Bildung betrachtet.
  10. Die Zertifikate für bestandene Tests werden von den Lehrenden der MOOCs ausgegeben. Die Hochschulen, deren Lehrende sich an MOOCs beteiligen, vergeben keine Leistungsbescheinigungen oder Leistungspunkte für Studierende, selbst wenn die MOOCs von der Hochschule per Vertrag mit Udacity, Coursera oder edX angeboten werden.
Von Rolf Schulmeister im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text Der Beginn und das Ende von OPEN auf Seite 22

iconBemerkungen

Jörn LoviscachWer einen MOOC macht, sucht nicht zuletzt nach einem Platz in der Aufmerksamkeitsöknomie.
Von Jörn Loviscach, Matthias Becker im Text "Es macht keinen Sinn, die alte Vorlesung einfach fürs Netz zu kopieren" (2014)
Ralf LankauMOOC habe das Ziel, öffentliche Bildungseinrichtungen zu entwerten und Studium wie Ausbildung zu privatisieren und zu ökonomisieren.
Von Ralf Lankau im Text Digitalisierung und schulische Bildung (2016)
Das Interesse bekannter Universitäten, die das Trendthema «Online» nicht verpassen möchten, ist gross. Dahinter steckt auch Marketinginteresse. «Eine Hochschule bewirbt so ihre Kompetenz im Internet», sagt Professor Beat Döbeli Honegger, der zu E-Learning und neuen Medien forscht.
Von Jan Rothenberger im Text Die Internet-Unis kommen (2013)
George SiemensThe value of MOOCs may not be the MOOCs themselves, but rather the plethora of new innovations and added services that are developed when MOOCs are treated as a platform.

Source: MOOCs are really a platform
Von George Siemens, erfasst im Biblionetz am 20.12.2012
Neben ihrem Demokratisierungspotenzial haben diese Onlinekurse eine ganz wichtige weitere Qualität. Sie sind Plattformen zum Sammeln von Daten über das Lernen - und zwar in ganz großem Stil. MOOCs sind gewaltige Datenerhebungsplattformen, die das individuelle Lernen vielfältiger machen und auf eine bis dahin unbekannte Ebene heben.
Von Viktor Mayer-Schönberger, Kenneth Cukier im Buch Lernen mit big data (2014) im Text Plattformen auf Seite 46
Rolf SchulmeisterMOOCs sind keine adaptive Methode, im Gegenteil, in MOOCs ist die Instruktion für alle gleich. Man kann höchstens von einer adaptierbaren Umgebung sprechen, in dem Sinne, dass die Teilnehmenden sich die asynchron vorliegenden Dokumente zeitlich so einteilen können, wie sie in ihren Alltag passen. Aber das ist eine recht schwachbrüstige Version von Adaptierbarkeit.
Von Rolf Schulmeister im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text Der Beginn und das Ende von OPEN auf Seite 33
MOOCs prämieren in der Hauptsache die Vorlesungen als Unterrichtsmethode, die den vorherrschenden Typus der akademischen Wissenskommunikation darstellt. In Form der Massenkurse erfährt diese Art der Wissenspräsentation und –distribution geradezu eine Art von Apotheose, die im Ergebnis auf ein „massenhaftes Zuschauen“ (Harney, Jütting, 2007) hinausläuft, das fast schon an die Ereignisse eines „public viewings“ erinnert.
Von Burkhard Lehmann im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text MOOCs - Versuch einer Annäherung auf Seite 214
Jörn Loviscach Jedenfalls in ihrer bisherigen Form sind MOOCs keine Alternative zur gängigen Hochschulbildung für übliche Studierende. Aus zwei Gründen: Sie taugen nur für Autodidakten und sie eröffnen keinen Zugang zu Diplomen. Auch in Deutschland wird ja versucht, offizielle Credits für MOOCs zu vergeben; aber das scheint nach meinem letzten Informationsstand trotz vollmundiger Ankündigungen nur für Studierende der jeweils anbietenden Hochschulen funktionieren.
Von Jörn Loviscach, Matthias Becker im Text "Es macht keinen Sinn, die alte Vorlesung einfach fürs Netz zu kopieren" (2014)
Ralf LankauMOOC hingegen waren das Versprechen, dass jeder alleine durch kostenlose Onlinekurse alles lernen könne, was er wolle. Diese Argumentation ist so absurd wie die Aussage, Deutschland sei eine Bildungsrepublik, nur weil es öffentliche Bibliotheken gibt, in denen jeder ausleihen könne, was er oder sie wolle. Das öffentliche Bibliothekssystem ist ein elementar wichtiges Element im öffentlichen Angebot und unbedingt stärker zu fördern und auszubauen, aber: Die Existenz von Bibliotheken führt nicht automatisch zu deren Nutzung. Man muss Kinder und Jugendliche erst heranführen und begleiten.
Von Ralf Lankau im Text Digitalisierung und schulische Bildung (2016)
Rolf SchulmeisterEin Reiz der MOOCs bestand am Anfang darin, dass es nur wenige gab und diese wurden von Professoren der Eliteuniversitäten Stanford, Harvard und MIT angeboten. Sobald aber das Angebot steigt und immer mehr unbekannte Namen von Colleges und Professoren sich auf dem Markt präsentieren, werden nur noch die überleben, die über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfügen und ihren Studierenden echte Zertifikate real existierender, akkreditierter und renommierter Hochschulen anbieten können. Mit den Worten der allgegenwärtigen Finanzwelt, die Austauschwährung und der Devisenkurs müssen stimmen.
Von Rolf Schulmeister im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text Der Beginn und das Ende von OPEN auf Seite 20
Jochen RobesHeute starten fast im Wochentakt Massive Open Online Courses. Dabei scheinen sich (mindestens) zwei unterschiedliche Richtungen abzuzeichnen: Auf der einen Seite (siehe Stanford) steht die effiziente Lehre im Vordergrund. Es geht darum, mit einem Curriculum eine möglichst große Zahl von Online-Lernenden zu erreichen und ihnen Expertise, Inhalte, Tests und möglicherweise auch verstärkt attraktive Zertifikate anzubieten. Auf der anderen Seite stehen die »klassischen« MOOCs, in denen das gemeinsame Lernen und die Entwicklung von Beziehungen und Verknüpfungen, »social and networked learning«, im Vordergrund steht. Hier wird mit neuen Formaten experimentiert, die die Kreativität und Vernetzung der Teilnehmenden unterstützen.
Von Jochen Robes im Buch Handbuch E-Learning im Text Massive Open Online Courses (2012)
Auffällig an der Herkunftsstatistik ist der relativ hohe Anteil von 39 %, die aus dem Mutterland der xMOOCs – den USA – stammen. Der Tendenz nach sprechen diese Zahlen dafür, dass MOOCs – trotz ihrer weltweiten Resonanz – im Kern doch eher ein inneramerikanisches Phänomen sind, das dem seit Jahren zu beobachtenden Trend folgt, demzufolge eine große und beständig wachsende Affinität zur Belegung von Online- Kursen besteht (vgl. Sloan, 2011). Die MOOC-Daten reflektieren damit zum Teil jedenfalls auch die Spezifika des amerikanischen Ausbildungssystems, das nicht ohne weiteres mit dem anderer Länder verglichen werden kann. Zu den auffallenden Besonderheiten dieses Systems gehört u.a. die beständige Progression der Bildungskosten und die rege Inanspruchnahme von Nachhilfekursen, die für ihre Anbieter ein lukratives Geschäftsmodell sind.
Von Burkhard Lehmann im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text MOOCs - Versuch einer Annäherung auf Seite 217
Massively open online courses have received their fair share of hype in 2012, and are expected to grow in number and influence within the next year. Big name providers including Coursera, edX, and Udacity count hundreds of thousands of enrolled students, totals that when added together illustrate their popularity. One of the most appealing promises of MOOCs is that they offer the possibility for continued, advanced learning at zero cost, allowing students, life-long learners, and professionals to acquire new skills and improve their knowledge and employability. MOOCs have enjoyed one of the fastest uptakes ever seen in higher education, with literally hundreds of new entrants in the last year; critics loudly warn that there is a need to examine these new approaches through a critical lens to ensure they are effective and evolve past the traditional lecture-style pedagogies.
Von Laurence F. Johnson, S. Adams Becker, M. Cummins, V. Estrada, A. Freeman, H. Ludgate im Buch Horizon Report 2013 (2013)
Rolf SchulmeisterDas Angebot an Kursen steigt. Schon jetzt ist ein Überblick schwierig, ein Vergleich thematisch durchaus ähnlicher Kurse nicht möglich, allerdings ist feststellbar, dass überall Themen und Gegenstände wie Mathematik, Analysis, Algebra, Physik und Statistik in verschiedenen Stufen, wissenschaftliches, kreatives und juristisches Schreiben, kritisches Denken etc. angeboten werden. Es ist denkbar, dass die Konkurrenten von Udacity, Coursera und edX ihnen eine Reihe von Kursen und Partnern streitig machen werden. Schon jetzt treten in manchen Plattformen dieselben Hochschulen auf, die auch bei Coursera unterzeichnet haben. Wenn diese Entwicklung so weiter geht, wird ein unübersichtlicher Markt entstehen, in dem die vielen MOOCs das Schicksal von Lehrbüchern, Lehrfilmen oder Multimedia-Applikationen erleiden: Es gibt zu viele Kurse, keine Instanz wird sich die Mühe der vergleichenden Kommentierung oder Evaluation machen, nach einem Durchgang werden viele zu Konserven, verbleiben in einer Nische oder werden in einem Archiv verstauben.
Von Rolf Schulmeister im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text Der Beginn und das Ende von OPEN auf Seite 19
Jöran Muuß-MerholzDie Teilname an Kursen bei Udacity, edX oder Coursera ist bisher kostenlos. Wie stark aber auch die finanziellen Interessen hinter diesen Umbrüchen sind, verdeutlicht eine Zahl, die kürzlich die US-Behörde Consumer Financial Protection Bureau bekannt gab: 1000 Milliarden USDollar umfassen die Schulden aus Studienkrediten in den USA. Gleichzeitig zweifeln immer mehr Amerikaner, dass sich die immensen Kosten für traditionelle Bildung tatsächlich auszahlen. Vor diesem Hintergrund lassen sich die Aktivitäten der traditionellen Universitäten als Vorboten bedeutender Umbrüche verstehen. Alleine MIT und Harvard investierten im Frühling 60 Millionen US-Dollar in ihre Plattform edX – bei den privatwirtschaftlich arbeitenden amerikanischen Universitäten wohl eine Anfangsinvestition, um einen neuen Markt zu ebnen und zu testen. Die sogenannten Massive Open Online Courses (MOOC), also Online-Kurse mit offenem Zugang und Teilnehmerzahlen im Bereich von bis zu Zehntausenden Studierenden, bieten eine Möglichkeit, Hochschullehre zu bezahlbaren Konditionen über das Internet anzubieten.
Von Jöran Muuß-Merholz in der Zeitschrift c't 25/2012 (2012) im Text Das Wissensnetz
Rolf SchulmeisterMOOCs sind weder moderne Lehre, noch folgen sie einem aktuellen lerntheoretischen Ansatz, sie sind didaktisch antiquiert und sie sind nicht einmal gutes E-Learning. Das technisch-didaktische Modell der MOOCs ist so simpel, dass jeder E-Learning- Profi es als altmodische Massensendung bezeichnen müsste, als Broadcast-Methode, denn im Grunde wird die Entwicklung des Radios oder Fernsehens wiederholt mit der Variation, die durch den computerunterstützten Unterricht eingeführt wurde, angereichert durch das automatische Feedback per Multiple-Choice. Für diese Art der Instruktion gibt es Vorbilder und vergleichbare Modelle, die derselben lerntheoretischen Quelle entstammen: Da ist zum einen der Programmierte Unterricht Skinners selbst, der sich in etwas lockerer Form später unter dem Begriff computer-unterstützter Unterricht etabliert hatte (Schulmeister, 1996). Und es gibt zum anderen die Abwandlung als Keller- Plan-Kurs (Keller, 1968), der das Muster von Input-Output-Feedback durch das Element des "self-paced study" ergänzte, des Lernens nach eigener Zeiteinteilung, und so die strenge Taktung auflöste. Angesichts dieser Ähnlichkeiten könnte man die MOOCs zur humanoiden Variante des computergestützten Lernens erklären.
Von Rolf Schulmeister im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text Der Beginn und das Ende von OPEN auf Seite 37
Die hohe Resonanz, die die xMOOCs erfahren haben, machen sie zu einem pädagogischen Massenspektakel mit hohem Aufmerksamkeitswert, wobei die Effekte sich wechselseitig verstärken. Je größer die Zahl der Teilnehmenden ist, desto größer ist die Aufmerksamkeit, die zu noch mehr Teilnehmenden führt. Die auf digitaler Basis verbreiteten Kurse prämieren in erster Linie das klassische Format der Vorlesung und machen diese quasi ubiquitär zugänglich. Eine pädagogische oder gar technologische Innovation lässt sich nicht erkennen, auch wenn Spekulationen im Umlauf sind, dass es sich hier um eine „disruptiv technology“ im Sinne von Bower (1995) handeln soll. Auffällig ist, dass die xMOOCs an Merkmale offener Fernhochschulen anschließen, allerdings deren Konzepte und Erfahrungen ignorieren und damit hinter bereits erreichten Standards zurückbleiben, die für ein Lehren und Lernen über die Distanz gelten. XMOOCs praktizieren letztlich einen „digitalen Taylorismus“ ohne auch nur im Ansatz Vorstellungen, von einem postfordistischen Lehren und Lernen (Peters, 2010) zur Kenntnis zu nehmen, das den Weg der Individualisierung geht. Die initiierte Massenbildung erschöpft sich in einem „pädagogischen public viewing“ und hat durchaus einigen Unterhaltungswert.
Von Burkhard Lehmann im Buch MOOCs - Massive Open Online Courses (2013) im Text MOOCs - Versuch einer Annäherung auf Seite 232
Die Diffusion massiver offener Kurse mit mittlerweile mehreren hundert europäischen MOOCs (Open Education Europa 2014) deutet, wie bereits argumentiert, einen Wandel auch von Lernszenarien und Bildungsmärkten an. Von einer Substitution der Präsenzlehre zu sprechen, ist sicher zu einfach und zu kurz gedacht. MOOCs erweitern zunächst potenziell die vorhandene Bildungslandschaft. Die Forschung zum Themenfeld steht noch weitgehend am Anfang (vgl. z. B. für erste Befunde den Sammelband von Cress/ Delgado Kloos 2014). Erste Einschätzungen der Presse in Bezug auf einen durch MOOCs initiierten Wandel von Bildungssystemen waren zum Teil euphorisch. Als Beispiel sei der Beitrag von Thomas L. Friedman in der New York Times (Friedman 2013) genannt, in dem dieser schreibt: “Nothing has more potential to lift more people out of poverty – by providing them an affordable education to get a job or improve in the job they have. Nothing has more potential to unlock a billion more brains to solve the world’s biggest problems. And nothing has more potential to enable us to reimagine higher education than the massive open online course, or MOOC, platforms.” Mittlerweile sind die Einschätzungen skeptischer bzw. reflektierter geworden. Eric Westervelt (2013) führt zentrale Kritikpunkte wie hohe Abbruchraten und fehlende soziale Präsenz anschaulich zusammen. Hält man sich die hierarchische Lernzieltaxonomie von Benjamin S. Bloom u. a. vor Augen, wird deutlich, dass insbesondere xMOOCs aufgrund ihrer oft sehr beschränkten Interaktion und Kommunikation in der Tendenz eher die unteren Lernebenen „Wissen“, „Verstehen“ und „Anwenden“ erreichen und weniger die höheren Stufen „Analysieren“, „Synthetisieren“ und „Evaluieren“ adressieren. Die Qualität des Lernens in MOOCs ist derzeit also oftmals eher beschränkt. Mögliche Auswirkungen eines durch MOOCs initiierten Wandels des Bildungssystems sind nicht zuletzt deshalb durchaus sehr kritisch zu hinterfragen, wie z. B. Rolf Schulmeister (2014) in Bezug auf die Verdrängung bisheriger Lernstrukturen und Einsparungen bei Lehrpersonal argumentiert. Vor diesem Hintergrund lassen sich lernförderliche Potenziale von MOOCs zunächst vor allem für Einführungs- und Vorbereitungskurse und Weiterbildungsangebote vermuten. Auch eignen sich MOOCs theoretisch sehr gut, um spezialisiertes Faktenwissen zu vermitteln.
Von Joachim Griesbaum in der Zeitschrift Der Bürger im Staat 4/2014 im Text Internet und Lernen - Auswirkungen des Social und Mobile Web auf Lernprozesse und Lerninfrastrukturen (2014)

iconVerwandte Objeke

icon
Verwandte Begriffe
(Cozitation)
Coursera, edX, xMOOC, Udacity, cMOOCconnectivist MOOC

iconHäufig erwähnende Personen

iconHäufig co-zitierte Personen

iconStatistisches Begriffsnetz Dies ist eine graphische Darstellung derjenigen Begriffe, die häufig gleichzeitig mit dem Hauptbegriff erwähnt werden (Cozitation).

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iconBlahfasel-Generator (Beta)

MOOC und cMOOC: ein Spannungsfeld?
"MOOC" ist zu einem Leitbegriff der heutigen Zeit geworden. Anlass also, das Thema MOOC detaillierter zu beschreiben.
Bereits 1984 wurde das Thema ein erstes Mal diskutiert. Damals war vieles noch anders.
Notwendig ist ein Blick auf die Geschichte des Begriffs. Eine neuere Definition des Begriffs von Karin Frick, Bettina Höchli aus dem Jahr 2014 lautet: "Bezeichnet eine Form von Onlinekursen, welche offen für alle eingeschriebenen Studenten sind und zahlreiche (massive) Teilnehmerzahlen aufweisen. Während xMOOCs auf Video aufgezeichnete Vorlesungen mit anschliessenden Prüfungen sind, so verfolgen die cMOOCs die Idee eines Seminars oder Workshops und sind eher lernzentriert, informell und den sozialen Medien verpflichtet."Zu vergleichen ist dies nun mit der Definition von Rolf Schulmeister (2013) : "Welche Merkmale zeichnen die MOOCs eigentlich aus, was unterscheidet sie von der herkömmlichen Hochschulausbildung? Ich will versuchsweise mal zehn Merkmale formulieren, die ihnen gemeinsam zu sein scheinen:
  1. OPEN, 1. Bedeutung: Es gibt keine Zugangsvoraussetzungen. Die Kurse sind für jeden offen.
  2. MASSIVE: Es gibt keine Teilnehmerbeschränkung. Es können unbegrenzt viele Personen teilnehmen.
  3. OPEN, 2. Bedeutung: Die Kurse werden kostenlos angeboten. Für Lehrtexte bemüht man sich um kostenlose Versionen.
  4. ONLINE: Die Kurse werden vollständig online durchgeführt. Es kann daher keine technischen oder nassen Laborphasen geben.
  5. Die Kurse werden nach festem Kursplan wöchentlich durchgeführt, 6-8 Wochen lang, in einer festen Struktur.
  6. Es gibt eine Lehrperson, die an einem Tag der Woche mehrere Kurzvorlesungen in Videoformat in die Plattform stellen lässt, wobei die Videos in der Summe ungefähr einer Vorlesungsstunde (45 min.) entsprechen.
  7. Die Videosequenzen werden durch Tests unterbrochen und mit einem Test beendet; Tests schließen die Woche ab. Es gibt eine Prüfung in der Mitte des MOOCs und eine am Ende.
  8. Die Videos der Vorlesung werden um Foren ergänzt: Die Teilnehmenden können in den Foren kommunizieren, um Hilfe bei anderen nachsuchen und andere unterstützen.
  9. Die Anbieter von MOOCs sind von ähnlichen Motiven getrieben: Thrun wendet sich gegen hohe Studienkosten, plädiert für die Öffnung der Hochschulausbildung und die Demokratisierung der Bildung. Kollers Auftritt bei TED offenbart missionarische Züge, sie ist fasziniert durch die weltweite Ausstrahlung, die sie als eine Art Entwicklungshilfe in der Bildung betrachtet.
  10. Die Zertifikate für bestandene Tests werden von den Lehrenden der MOOCs ausgegeben. Die Hochschulen, deren Lehrende sich an MOOCs beteiligen, vergeben keine Leistungsbescheinigungen oder Leistungspunkte für Studierende, selbst wenn die MOOCs von der Hochschule per Vertrag mit Udacity, Coursera oder edX angeboten werden.
". Verbindende und trennende Aspekte liegen hier nahe beieinander. ...

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Verweise auf MOOC 63914842182374765931276251912654215947346110164643165
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