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Bologna-Reform

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iconSynonyme

Bologna-Reform, Bologna-Prozess

iconDefinitionen

Dirk BaeckerDer Bologna- Prozess, initiiert mit der Sorbonne-Deklaration vom 25. Mai 1998 zur 800-Jahr-Feier der Universität von Paris und verabschiedet ein Jahr später mit der Bologna-Deklaration, verfolgt das Ziel der Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums bis zum Jahre 2010. Das Ziel soll erreicht werden, indem europaweit ein zweistufiges System von Studienabschlüssen (undergraduate und graduate oder Bachelor und Master) geschaffen wird und alle Kurse, die im Rahmen der entsprechenden Studiengänge belegt werden, nach einem einheitlichen Leistungspunktesystem (ECTS-Modell, European Credit Transfer and Accumulation System) bewertet werden.
Von Dirk Baecker im Buch Studien zur nächsten Gesellschaft im Text Die nächste Universität (2006)

iconBemerkungen

Ein dezidierter Bologna-Gegner ist Kurt Imhof. Der Zürcher Soziologe sprach in Interviews vom Bulimie-Lernen an den Hochschulen: »Reinfuttern, rauskotzen, vergessen.«
Von Matthias Daum im Text "Sie können das nicht unterzeichnen!" (2012)
Bologna hat die wirtschaftliche Situation der Studierenden nicht einkalkuliert. Mit drei Viertel Werkstudenten bleibt ein auf Effizienz und Mobilität getrimmtes Studium eine Illusion.
Von Antonio Cortesi im Text Servieren geht über Studieren (2011)
Jede Hochschule, jede Universität kann selbst entscheiden, wie sie den Zugang zu ihren Studiengängen regelt. Ein Bachelor oder ein Master ist deshalb nicht automatisch das überall gültige Eintrittsbillett.
Von Heinz Rhyn in der Zeitschrift Rekrutierung, Eignungsabklärung, und Selektion für den Lehrerinnen- und Lehrerberuf (2006) im Text Der Lehrberuf als Herausforderung
Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet eine Reform, die angetreten ist, die archaischen Strukturen an den Universitäten zu zerschlagen, nun zu einer Vertechnisierung und Verknöcherung der Hochschulen führt. Die Umsetzung ist eine Mischung aus Neoliberalismus und Planwirtschaft. Im Namen des stärkeren Wettbewerbs wird die zentrale Ordnungsmacht in den Rektoraten und Dekanaten gestärkt.
Von Matthias Daum im Text "Sie können das nicht unterzeichnen!" (2012)
Im Bologna-System ist [...] hingegen alles genormt: die Studienzeit, die hohe Prüfungskadenz, die Lerninhalte. Diese werden meist gemäss Multiple-Choice-Verfahren getestet. Mit der Folge, dass die Studierenden wie verrückt Wissen pauken, auf Kosten von Vertiefung und problemlösendem Arbeiten. «Es herrscht ein Bulimie-Lernen», sagt der Zürcher Soziologieprofessor Kurt Imhof: «Reinfuttern, rauskotzen, vergessen.»
Von Antonio Cortesi im Text Servieren geht über Studieren (2011)
Laut Joachim Brünner von der Siemens AG hat Bologna den Verwaltungsaufwand an Hochschulen schätzungsweise um ein 15-faches erhöht. "Die vorhandenen Ressourcen sind dabei aber gleich geblieben", konstatiert er nüchtern. Deshalb benötigen die Hochschulen moderne betriebswirtschaftliche Steuerungs- und Kontrollmethoden, entscheidungsorientierte Handlungsstrukturen und last but not least eine professionelle informationstechnologische Unterstützung.
Von Anke Sinnigen im Text Brauchen Hochschulen einen CIO? (2007)
Bologna hat zu einer dramatischen Verschulung und Entakademisierung geführt. Was einst eine Universität ausgemacht hat, forschungsorientiertes Lehren und Lernen, beginnt heute allenfalls auf der Stufe Master. Wer bloss seinen Bachelor macht, hat einfach eine zusätzliche Schule absolviert, was ja nicht schlecht sein muss. Aber es geht dabei nicht um eine freie und lebendige Auseinandersetzung und Einarbeitung in eine wissenschaftliche Disziplin.
Von Konrad Paul Liessmann, Bernhard Ott im Text «Einseitiger und ungebildeter geht es nicht» (2015)
Vieles, was so unter dem Titel der Effizienzsteigerung zur Reform des Bildungswesens unternommen wird, gehorcht schlicht dem Prinzip der Industrialisierung. Die vielgerühmte Modularisierung von Studien etwa stellt die Übertragung des Prinzips funktional differenzierter Fertigungshallen auf den Wissenserwerb dar, Stück für Stück werden Kurse und Lerneinheiten zu den Abschlüssen montiert. Auch die Einführung der ECTS-Punkte (Leistungspunkte) etabliert eine Norm zur Bewertung von Studienleistung, die bis in das Berechnungssystem diversen Industrienormen entspricht.
Von Konrad Paul Liessmann im Buch Theorie der Unbildung (2006) im Text Was weiss die Wissensgesellschaft? auf Seite 41
Otto KruseDie Bologna-Reform stellt die Hochschulen vor eine paradoxe Situation. Sie definiert neuerdings in vollem Einklang mit den Unterrichtstraditionen der deutschsprachigen Hochschulen kritisches Denken als wichtigste Zielgrösse der Lehre, verändert aber die Rahmenbedingungen so, dass viele traditionelle Formen der Ausbildung von kritischem Denken nicht mehr greifen. Die Reaktion der Hochschulen darauf sollte darin bestehen, das nachzuholen, was lange versäumt wurde: Kritisches Denken nicht nur zu unterrichten, sondern auch damit zu beginnen, Natur, Entwicklung und Didaktik des kritischen Denkens zum Gegenstand eingehender Untersuchungen zu machen.
Von Otto Kruse im Buch Neue Impulse der Hochschuldidaktik (2010) im Text Kritisches Denken im Zeichen Bolognas
Bologna hat aber auch noch andere Konsequenzen, die nachdenklich stimmen. Die Reform ist bekanntlich mit dem «European Credit Transfer System» (ECTS) verbunden - an sich als Instrument zur Verbesserung der studentischen Mobilität gedacht. In der Umsetzung zeigt es sich, dass ECTS-Punkte nicht an allen Hochschulen gleich anerkannt und gewertet werden. Das ECTS-System hat aber auch für die Lehre verhängnisvolle Folgen: Es trimmt die Studierenden auf eine einseitige Jagd nach Punkten und überhäuft die Dozenten und Dozentinnen mit rauen Mengen an Korrekturarbeiten und Prüfungen, was dazu führt, dass Beurteilungen zunehmend summarisch vorgenommen werden und kaum noch eine differenzierte, lernfördernde Beurteilung der Studierenden, wie man sie gleichzeitig für Schülerinnen und Schüler predigt, stattfindet.
Von Daniel V. Moser-Léchot im Text Lehrerbildung wird einseitige Jagd nach Punkten (2006)

iconVerwandte Objeke

icon
Verwandte Begriffe
(Cozitation)
Bulimie-Lernen, Hochschulehigher education institution, Akademisierung der LehrerInnen-Bildung, Bildungeducation (Bildung), E-LearningE-Learning
icon
Verwandte Aussagen
Bologna-Reform fördert E-Learning
Bologna-Reform erfordert E-Learning
Bologna-Prozess fördert Plagiarismus
Bologna-Reform führt zu einer Flut von Leistungsnachweisen
Bologna-Reform fördert E-Assessment
Bologna-Reform führt zu Bulimie-Lernen

iconRelevante Personen

iconHäufig erwähnende Personen

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Dieter Euler Dieter
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Donald Viegut Donald
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Larry Ainsworth Larry
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Albert Angehrn Albert
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Rolf Schulmeister Rolf
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Gabi Reinmann Gabi
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Bologna-Reform - einige Gedanken angeregt von Gabi Reinmann
Wer hätte sich nicht schon näher Gedanken zum Themenfeld "Bologna-Reform" gemacht! Im folgenden wird mit dieser Überlegung versucht, das Spannungsfeld vertiefter zu formulieren.
Bereits 2004 wurde der Begriff ein erstes Mal diskutiert. Eine lange Zeit, in der viel geschehen ist. Allgemein gilt Gabi Reinmann als häufig zitierter Experte für dieses Thema. Rolf Schulmeister wird aber ebenfalls oft genannt.
Hilfreich ist ein Blick auf die zahlreichen Definitionen des Begriffs. Die älteste einigermassen bekannte Definition des Begriffs lautet: "Der Bologna- Prozess, initiiert mit der Sorbonne-Deklaration vom 25. Mai 1998 zur 800-Jahr-Feier der Universität von Paris und verabschiedet ein Jahr später mit der Bologna-Deklaration, verfolgt das Ziel der Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums bis zum Jahre 2010. Das Ziel soll erreicht werden, indem europaweit ein zweistufiges System von Studienabschlüssen (undergraduate und graduate oder Bachelor und Master) geschaffen wird und alle Kurse, die im Rahmen der entsprechenden Studiengänge belegt werden, nach einem einheitlichen Leistungspunktesystem (ECTS-Modell, European Credit Transfer and Accumulation System) bewertet werden." (Dirk Baecker, 2007). ...

icon Vorträge von Beat mit Bezug

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