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Copy! Right! Vom Gesetz der Kopie-Bildung

Erstpublikation in: Rüger Campe & Michael Niehaus (Hrsg.): Gesetz. Ironie. Festschrift für Manfred Schneider, 2014
Publikationsdatum:
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iconZusammenfassungen

Den größten Verwaltungsbereich, den der Kopierer grundlegend revolutionieren wird, bilden Schulen und Hochschulen. Mehr noch: Der Kopierer wird zum Leitmedium des Bildungswegs. Das Neue für die Schüler ist das schleichende Ende des Schulbuchs. Der Kopierer dringt in eine verbotene Zone ein und besetzt sie neu: In Schulbücher darf nicht gemalt oder geschrieben, Kopien sollen und dürfen bemalt und beschrieben werden.
Von Thorsten Lorenz im Text Copy! Right! Vom Gesetz der Kopie-Bildung (2014)
Wenn Sie diesen Text zu lesen beginnen, haben Sie möglicherweise schon ein Delikt begangen. Zwar sollte Ihnen dieser Aufsatz in einer Festschrift für Manfred Schneider mit dem Titel Gesetz. Ironie vorliegen. In diesem Falle dürfen Sie weiterlesen. Ebenso wahrscheinlich ist allerdings, dass Ihnen diese Zeilen in Kopie zur Verfügung stehen. Schlimmer noch: dass Sie diese Kopie in Kopie weiterreichen. Dann sind Sie überführt. Denn der Band enthält einen rechtlichen Hinweis, wie jede Buchpublikation. Er befindet sich auf der Rückseite des Haupttitels und untersagt Ihnen das Kopieren. Also sind Sie ein Delinquent. Aber die schützenden Hände der Alma Mater, der Verwertungsgesellschaft WORT und des Urheberrechtsgesetzes haben sich über Sie gelegt. Sie dürfen kopieren - unter bestimmten Bedingungen, den Bedingungen der Wissenschaftspraxis. Denn sonst bestünde die Welt aus einem einzigen geschlossenen Strafraum: der Copy-Galaxis.
Von Thorsten Lorenz im Text Copy! Right! Vom Gesetz der Kopie-Bildung (2014)
Der Fotokopierer dringt durch alle Ritzen der Informationsgesellschaft. Er steht in allen Schulen, Hochschulen, Büros, Verwaltungseinheiten. Aber: Keine Mediengeschichte, keine Literaturwissenschaft und keine Kunstgeschichte interessiert sich für ihn. Sie leben vielmehr parasitär von dem kleinen Automaten, dessen Vorlagen vom Wirt Buchdruck genährt werden. Die schwarze Tinte des schulischen und akademischen Bildungs(be)triebs sind die Kopierautomaten, von Aufsatzkopien über schulische Arbeitsblätter bis hin zur Abgaberegelung von Kopieexemplaren der Zulassungs-, Diplom- und Dissertations-Arbeiten in den Prüfungsordnungen. Jeder wird, einem Wort McLuhans folgend, Autor und Verleger zugleich. Der Geist weht durch die Toner, aber es hilft nichts: Der Apparat ist ohne Sex, ohne Appeal. Kein Designer hat sich seiner angenommen wie Collani dem PC. Der Eros Gutenbergs geht ihm restlos ab. Denn aus ihm entstehen keine Bibliotheken, sondern Dokumente, Akten. Er produziert nicht Leseordnungen, sondern Entropien, das verwaltete Papierchaos. Ganze Verwaltungsindustrien sekundieren seinen Output: Leitz-Ordner, Hängeordner, Klemmhefter, KlarsichthüUen, Spiralheftungen, Tucker, wasserlösliche und wasserunlösliche Textmarker, Folien. Eine gewaltige Industrie der Unterrichts- und Präsentationsmedien hat sich in dieses Chaos eingereiht. Und ihre fliegenden Vertreter heißen Pädagogen und Mediendidaktiker.
Von Thorsten Lorenz im Text Copy! Right! Vom Gesetz der Kopie-Bildung (2014)

iconDieses Kapitel erwähnt...


Personen
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Douglas C. Engelbart, Joseph C. R. Licklider, Humberto R. Maturana, Marshall McLuhan, Maria Montessori, Otto Neurath, Alan Turing, Francisco J. Varela

Aussagen
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Kopiergeräte bedrohen Schulbücher

Begriffe
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Autopoieseautopoiesis, Buchbook, Buchdruckprinting press, Fernsehentelevision, Frontalunterricht, Gesetzelaws, GUI (Graphical User Interface)Graphical User Interface, Hochschulehigher education institution, Informationsgesellschaftinformation society, Konstruktivismusconstructivism, Kopiergerätcopy machine, Medienmedia, Mediendidaktik, Print on DemandPrint on Demand, Schulbuchschoolbook, Turing-Maschineturing machine, Urheberrecht, Wissenschaftscience, Zitationsrecht
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Bücher
Jahr UmschlagTitelAbrufeIBOBKBLB
1938  Kinder sind anders (Montessori) 5, 5, 2, 1, 1, 3, 4, 1, 3, 1, 2, 1271111
1966   Understanding Media (Marshall McLuhan) 3, 3, 1, 4, 3, 2, 3, 7, 4, 4, 4, 1410130142315
1984    Der Baum der Erkenntnis (Humberto R. Maturana, Francisco J. Varela) 21, 29, 14, 21, 21, 21, 12, 11, 22, 15, 21, 461021244630603

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Nicht erwähnte Begriffe
Behaviorismus

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iconVolltext dieses Dokuments

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