Beats Biblionetz - Fragen

Gehört Programmieren zur Allgemeinbildung?

iconBiblioMap Dies ist der Versuch, gewisse Zusammenhänge im Biblionetz graphisch darzustellen. Könnte noch besser werden, aber immerhin ein Anfang!

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iconBemerkungen

In der Tat ist das Programmieren eine hochspezialisierte Tätigkeit, die nicht jeder beherrschen muss und schon deswegen wenig allgemein bildend ist.
von Dieter Engbring im Konferenz-Band Informatik in Bildung und Beruf im Text Was ist/kann/soll Informatikunterricht? (2011)
Heute ist es akzeptabel, dass jemand nicht mit einem Computer umgehen oder Programmcodes verstehen kann, in 20 Jahren wird das so wirken, als ob er ein Analphabet wäre.
von Clay Johnson im Text Man kann auch umfassend falsch informiert sein (2012)
Ruedi NoserWer in der globalen Welt mit wenig Kapital ein Produkt entwickeln will, muss im Virtuellen denken und agieren, also programmieren können. Programmieren gehört zur Allgemeinbildung. Punkt.
von Ruedi Noser in der Zeitschrift Dossier des Schweizer Monat zum Thema: Einsen und Nullen – unsere Informationsgesellschaft. Juli/August 2012 (2012) im Text «Das ist wirklich vordigital!»
Ja, Programmieren gehört zur Allgemeinbildung und zwar nicht, weil man heute und in Zukunft dauernd selbst programmieren muss, sondern damit man das Potenzial von Computerprogrammen abschätzen kann.
erfasst im Biblionetz am 23.07.2012
Douglas RushkoffWe do not know how to program our computers, nor do we care. We spend much more time and energy trying to fi gure out how to use them to program one another instead. And this is potentially a grave mistake.
von Douglas Rushkoff im Buch Program or Be Programmed (2010) auf Seite 18
Hartmut von HentigSchwer schließlich ist das Programmieren - aber das müssen nicht sehr viele Leute in dieser Gesellschaft tun, es müssen sich nur alle einmal an einem Programm versucht haben, um zu verstehen, was da vor sich geht.
von Hartmut von Hentig im Buch Die Schule neu denken (1993) im Text Schwierige Veränderungen auf Seite 69
There has been much discussion of whether the primary aim should be to teach children programming for its own sake, or to use programming in the service of some other end or discipline 'programming to learn, or learning to program'.
von Patrick Mendelsohn, T.R.G. Green, P. Brna im Buch Psychology of Programming (1990) im Text Programming Languages in Education
Ruedi Noser[Es] sollte selbstverständlich sein, dass jeder Maturand eine Programmiersprache beherrscht und damit das Abstraktionsniveau eines Computerprogramms verstehen kann. Davon sind wir in unserem Bildungssystem jedoch meilenweit entfernt.
von Ruedi Noser in der Zeitschrift Dossier des Schweizer Monat zum Thema: Einsen und Nullen – unsere Informationsgesellschaft. Juli/August 2012 (2012) im Text «Das ist wirklich vordigital!»
Douglas RushkoffIn the emerging, highly programmed landscape ahead, you will either create the soft ware or you will be the software. It’s really that simple: Program, or be programmed. Choose the former, and you gain access to the control panel of civilization.
von Douglas Rushkoff im Buch Program or Be Programmed (2010) im Text Introduction auf Seite 7
Douglas RushkoffWhen human beings acquired language, we learned not just how to listen but how to speak. When we gained literacy, we learned not just how to read but how to write. And as we move into an increasingly digital reality, we must learn not just how to use programs but how to make them.
von Douglas Rushkoff im Buch Program or Be Programmed (2010) im Text Introduction auf Seite 7
Die Frage "Programmieren, ja oder nein ?" ist ganz einfach falsch gestellt. Es geht im Gymnasium gar nicht darum, sondern zunächst generell um die Frage "Was gehört zur Allgemeinbildung?" und speziell auf die Informatik bezogen, "Was muss jeder Maturand über Informatik wissen ?"
von Walter Gander im Text Informatikunterricht - Informatikstudium (1992)
Douglas RushkoffWhen human beings acquired language, we learned not just how to listen but how to speak. When we gained literacy, we learned not just how to read but how to write. And as we move into an increasingly digital reality, we must learn not just how to use programs but how to make them.
von Douglas Rushkoff im Text Why Johnny Can't Programm (2010)
Peter K. AntonitschI would like to stress that I do not presume to assign a universal educative core to programming. But I see programming as a representative for many of the principles that must be part of informatics education in order to prepare the learners for an increasingly information-centred world.
von Peter K. Antonitsch im Konferenz-Band From Computer Literacy to Informatics Fundamentals (2005) im Text Standard Software as Microworld? auf Seite 190
Heidi SchelhoweUnterricht, der auf das Programmieren-Lernen und auf die Syntax von Programmiersprachen gerichtet ist, hat wenig mit "Allgemeinbildung" zu tun. Dies ist Spezialwissen, das für die meisten Schülerinnen nicht interessant ist, sondern zur Abgrenzung der "Expertinnen" beiträgt. Dennoch war die Praxis des Informatikunterrichts lange Zeit vom Programmieren-Lernen geprägt.
von Heidi Schelhowe im Buch Technologie, Imagination und Lernen (2007) im Text Zum (Zu)Stand von Bildung in der Wissensgesellschaft und zur Rolle des Computers
Das Lernen "über den Computer", d. h. das Kennenlernen der Funktionsweise der Maschine ist - wie vieles andere auch - am besten im Zusammenhang mit der eigenen Erfahrung gewährleistet. Aus diesem Grunde ist das selbsttätige Programmieren unverzichtbar , weil es die Erfahrung vermitteln kann, da nicht "der Computer", sondern der Autor des Programms schuld ist, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.
von Friedrich Oswald im Text Humanwissenschaftliche Aspekte in der Informationsgesellschaft
Raimond ReichertJürg NievergeltWerner HartmannIm Zeitalter der Anwenderpakete wird das Programmieren nicht mehr primär als Werkzeug benötigt, sondern als Gedankengut, das den vernünftigen Einsatz der Werkzeuge ermöglicht, die von anderen erstellt wurden. Eine ähnliche Aussage gilt für jede Art von Allgemeinbildung. Allgemeinbildung beinhaltet ein Gedankengut, das man selten für direkten Nutzen einsetzt, das einem aber erlaubt, Detailkenntnisse von transienter Bedeutung im Tagesgeschäft vernünftig einzusetzen.
von Raimond Reichert, Jürg Nievergelt, Werner Hartmann im Buch Programmieren mit Kara (2003) im Text Programmieren im Unterricht - warum und wie? auf Seite 6
Jürg NievergeltIm Zeitalter der Anwenderpakete wird damit das Programmieren nicht mehr nur als Werkzeug benötigt, sondern als Gedankengut, das den vernünftigen Einsatz der Werkzeuge ermöglicht, die von anderen erstellt wurden. Eine ähnliche Aussage gilt für jede Art von Allgemeinbildung. Denn darunter versteht man Gedankengut, das man selten für direkten Nutzen einsetzt, das einem aber eine Geisteshaltung erlaubt, um Detailkenntnisse von transienter Bedeutung im Tagesgeschäft vernünftig einzusetzen.
von Jürg Nievergelt im Text Roboter programmieren - ein Kinderspiel (1999)
Das Programmieren ist auch ein nicht (mehr) sehr typischer Umgang mit Computern, da hier sehr viel mehr und sehr viel deutlicher strukturelles und erfindendes7 Denken gefordert und weniger gefördert wird. Die algorithmische und/oder objektorientierte Modellierung eines Problems ist jeweils nur eine spezifische Form des problemlösenden Denkens, die nicht von allen Schülern in gleicher Weise geleistet werden kann. Das Programmieren ist nicht nur eine hochspezialisierte sondern eine viele Schüler wenig motivierende Tätigkeit. Was manche mit viel Spaß betreiben, sehen andere, nach vorläufigen Eindruck die große Mehrheit der Schüler, als sinnfreies Tun.
von Dieter Engbring im Konferenz-Band Informatik in Bildung und Beruf im Text Was ist/kann/soll Informatikunterricht? (2011) auf Seite 102
Werner HartmannJürg NievergeltRaimond ReichertProgrammieren als notwendiger Bestandteil der täglichen Arbeit mit dem Computer, das war einmal, und kommt nicht wieder zurück. Darin gehen wir mit der heute weit verbreiteten Meinung einig. Wir denken aber, dass in der Ausbildung vielerorts das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde, als deswegen das Programmieren aus den Lehrplänen gleich ganz entfernt wurde. Wenn ein Werkzeug so allgegenwärtig geworden ist, wie es der Computer heute ist, und wenn wir ihm so viele wichtige Entscheide überlassen, dann ist es angebracht, dass gebildete Menschen etwas über die Kernideen verstehen, mittels denen wir dem Computer unsere Wünsche beibringen. Programme sind die Formulierungen solcher Wünsche, und eigene Erfahrungen im Programmieren als Teil der Allgemeinbildung ist der Weg zum Verständnis der Arbeitsweise von Computern.
von Werner Hartmann, Jürg Nievergelt, Raimond Reichert im Buch Programmieren mit Kara (2003) im Text Und die Moral von der Geschicht? auf Seite 125
Mitchel ResnickYasmin B. KafaiAs we see it, digital fluency requires not just the ability to chat, browse, and interact but also the ability to design, create, and invent with new media, as BalaBethany did in her projects. To do so, you need to learn some type of programming. The ability to program provides important benefits. For example, it greatly expands the range of what you can create (and how you can express yourself) with the computer. It also expands the range of what you can learn. In particular, programming supports "computational thinking," helping you learn important problem-solving and design strategies (such as modularization and iterative design) that carry over to nonprogramming domains. And since programming involves the creation of external representations of your problem-solving processes, programming provides you with opportunities to reflect on your own thinking, even to think about thinking itself.
von Mitchel Resnick, John Maloney, Natalie Rusk, Evelyn Eastmond, Karen Brennan, Amon Millner, Eric Rosenbaum, Jay Silver, Brian Silverman, Yasmin B. Kafai, Andrés Monroy-Hernández im Text Scratch: Programming for All (2009)
Juraj HromkovicProgramming is more than just a useful skill of a computer scientist. Learning programming means learning a language of communication with technical systems, learning to tell a machine what activity we would like to have from it. Since machines do not have any intelligence, our instructions must be so clearly and unambiguously formulated that no mistake can arise. In this way, the pupils learn to describe ways and methods for achieving aims that can be correctly followed by everybody without needing to provide the knowledge why they successfully achieve these goals. The development of this skill essentially contributes to the pupils’ natural language skills by motivating pupils to properly think about how to best express what they would like to communicate. After supplementing the programming courses with some elementary data structures and algorithms, we propose to switch to the fundamentals.
von Juraj Hromkovic im Konferenz-Band Informatics Education - The Bridge between Using and Understanding Computers im Text Contributing to General Education by Teaching Informatics (2006)
Nico Lumma

Ja, das klingt merkwürdig, aber lassen Sie die Forderung nach einer Programmiersprache als zweite Fremdsprache einmal sacken. Ich habe in der Schule Latein gehabt und das hat mir trotz aller Probleme beim deklinieren und bei der Grammatik insgesamt wenigstens für mein Studium der Politikwissenschaft und Geschichte ein gewisses Rüstzeug mitgegeben.

Aber, für den Alltag hat es abgesehen vom Lesen der Asterix-Hefte meiner Kinder für mich kaum noch einen praktischen Nutzwert. Lediglich der Vokabelschatz hilft ab und zu mal, kurze Sätze auf Französisch, Italienisch oder Spanisch zu verstehen. Nichts, was Google Translate und andere nicht viel besser könnten – bei Facebook, dem Ort an dem wir mit Freunden und Bekannten kommunizieren, ist bei Postings in anderen Sprachen schon jetzt die Möglichkeit vorhanden, sich den Text übersetzen zu lassen.

Für Kinder und Jugendliche allerdings wird künftig immer weniger eine Rolle spielen, die Klassiker der Vergangenheit im Original lesen zu können, sondern sie sollen den Code der Zukunft besser verstehen. Vor einigen Jahren hiess es: “Lern spanisch, das ist das neue Englisch!” – Mittlerweile entwickeln Kinder Apps für das iPhone.

Marc Andreesen, der uns als Student mit der Entwicklung des ersten massentauglichen Browsers namens Mosaic die bunte Welt des World Wide Web erst zugänglich gemacht hatte und investiert aktuell als Venture Capital Geber in Internet-basierende Geschäftsmodelle, schrieb kürzlich in einem viel beachteten Essay im Wallstreet Journal: “Software is eating the world.”

Software ist das geworden, was die Welt zusammenhält, aber auch immer das Potential hat, sie auseinander zu reissen, meine Damen und Herren.

Daher ist es für Kinder und Jugendliche essentiell, zu lernen, wie Software funktioniert, also wie man programmiert. Ich erwarte jetzt nicht ein Volk von Programmierern, aber ebenso wie uns das Erlernen einer Sprache den Zugang zu anderen Kulturen eröffnet und damit unseren eigenen persönlichen Horizont erweitern kann, ermöglicht das Erlernen einer modernen Programmiersprache ein besseres Verständnis für die komplexen Abläufe der Zukunft, die allesamt ohne Software nicht mehr möglich sind.

Der Autor Douglas Rushkoff hat in seinem Buch “Program or be programmed” darauf hingewiesen, dass wir als Gesellschaft darauf achten müssen, nicht bloß zum Objekt zu werden, sondern dass wir selber in der Lage sein müssen, zu verstehen, was um uns herum passiert.

Javascript ist das neue Latein, meine Damen und Herren, wir sollten uns zügig daher überlegen, wie wir die Wissensvermittlung bei Kindern und Jugendlichen dahingehend verändern, dass wir das Erlernen einer modernen Programmiersprache mit in die Lehrpläne aufnehmen – denn wir wollen doch alle, dass die nachwachsenden Generationen das Rüstzeug für die Zukunft erhalten.

Jetzt denken etliche von Ihnen im Saal “Was für ein Quatsch, wie soll das denn gehen?” – aber werfen Sie bitte einen Blick nach Estland, das jetzt bereits jedem Schüler anbietet, in der Schule eine Programmiersprache zu erlernen. Es ist machbar, man muss es nur wollen.

von Nico Lumma im Text Kommunikation der Zukunft (2012)

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Allgemeinbildung, Programmieren

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