Beats Biblionetz - Aussagen

Kinder benötigen reale und nicht virtuelle Erfahrungen

iconBiblioMap Dies ist der Versuch, gewisse Zusammenhänge im Biblionetz graphisch darzustellen. Könnte noch besser werden, aber immerhin ein Anfang!

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iconDefinition

Anton ReiterMedienkritiker wie beispielsweise Hartmut von Hentig und Clifford Stoll beklagen den Verlust der Primärerfahrungen bei Kindern im Informationszeitalter und warnen vor Ersatzmedienwelten - Kinder sollten die Welt lieber mit Händen und Füßen und der Vorstellungskraft erforschen und nicht mit dem Computer.
von Anton Reiter im Buch 20 Jahre Schulinformatik in Österreich (2005)

iconBemerkungen

Manfred SpitzerEin Kind sollte seine Umwelt nicht zuerst über Tablet und Smartphone ansehen, sondern sie selbst begreifen, fühlen, erleben und handeln.
von Manfred Spitzer im Text Der Compi macht dumm
Jerome S. BrunerNor does it seem likely that machines will have the effect of dehumanizing learning any more than books dehumanize learning. A books dehumanize learning.
von Jerome S. Bruner im Buch The Process of Education (1960)
Stoll stellt [...] zwei Extreme gegenüber und sagt: Beobachten ist wichtig, also ist das Internet nicht tauglich. Auch ich bin ein Verfechter authentischer Erlebnisse. Aber niemandem käme es in den Sinn, zu sagen, Bücher seien für Schulanfänger nicht tauglich.
von Peter Bucher, erfasst im Biblionetz am 10.03.2001
Thomas FeibelWarum, fragen ausgemachte Computergegner, soll sich ein Kind einen Bauernhof auf CD-ROM ansehen? Ein Besuch auf einem richtigen Bauernhof sei viel schöner und interessanter. Das stimmt. Aber warum nicht beides? Keine Software der Welt möchte irgendetwas ersetzen.
von Thomas Feibel Personenreihenfolge alphabetisch und evtl. nicht korrekt im Buch Was macht der Computer mit dem Kind? (2002) im Text Computer-Kids wollen Eltern
Hartmut von HentigIn einer Welt, in der ursprüngliche Erfahrung immer knapper wird, in einer Welt, in der es gilt, den Menschen gegen das überwältigende Aggregat der Sachen zu ermutigen, in einer Gehäusewelt, die sich nicht mehr selbst erklärt, hole ich [den Computer] nicht ohne Not ins Klassenzimmer.
von Hartmut von Hentig im Buch Der technischen Zivilisation gewachsen bleiben (2002) im Text Unvernünftige Erwartungen auf Seite 149
Clifford StollComputer liefern im Überfluss abstrakte Symbole, aber sie vermitteln nur dürftige Erfahrungen. Brauchen unsere Kinder noch mehr Icons, Markenzeichen und ausgefeilte Schrifttypen - oder sollten sie mehr klettern, herumrennen oder herausfinden, wie man miteinander gut auskommen kann?
von Clifford Stoll im Buch LogOut (1999) im Text Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben auf Seite 79
Manfred SpitzerWie jeder weiß, sind die Jahre zwischen dreiders formend. Hier brauchen sie Bestätigungserlebnisse und vor allem den Kontakt mit Gleichaltrigen, um ihre Stellung in der Gemeinschaft zu finden. Hierzu Bedarfes realer Kontakte, nicht der Begegnung mit abzuschießenden Monstern aus dem All im virtuellen Raum.
von Manfred Spitzer im Buch Digitale Demenz (2012) im Text Schlaflosigkeit, Depression, Sucht & körperliche Folgen auf Seite 263
Die beste Vorbereitung wird durch die intensive Begegnung des kleinen Kindes mit der nichtmedialen Wirklichkeit erreicht, also mit der handgreiflichen Realität, die zu tasten, zu sehen, zu riechen und zu schmecken ist. Hier kann sich das Kind mit allen seinen Sinnen und seinen motorischen Fähigkeiten Primärerfahrungen verschaffen, die durch nichts zu ersetzen sind. Echte Medienkompetenz beginnt mit Medienabstinenz. Das erscheint heute noch paradox, wird aber z. B. durch die Hirnforschung vollauf bestätigt.
von Rainer Patzlaff, Eva Maria Berg, Ivan Momsen im Text Interview mit Prof. Dr. Rainer Patzlaff
Matthias W. ZehnderSicher: Wenn die Kinder erwachsen sind, werden sie am Computer sitzen und mit der Tastatur schreiben müssen. Das ist aber noch kein Grund, sie im Kindergarten schon an den PC zu setzen, statt sie mit ihren Händen und Fingern Bilder malen zu lassen. Im Gegenteil: Die Welt ist voller Computer, Kinder kriegen das nebenbei problemlos mit. Die Schule sollte sich viel mehr um die Welterfahrung der Kinder sorgen. Denn Frösche und Lehm, den Balzruf des Rotkehlchens und das Klopfen eines Spechts, das kriegen viele Kinder nicht mehr mit.
von Matthias W. Zehnder im Text Schulen: Weg vom Netz? (2006)
«Der Computer darf natürlich nie die reale Erfahrung ersetzen», ist [Steve] Bass überzeugt. «Erstklässler müssen zum Beispiel Batzen anfassen können. Später, um die Hohlmasse zu lernen, müssen sie mit Wasser und Gefässen experimentieren.» Die vielen Arbeitsblätter hingegen, die ein Kind im Laufe seiner Schulzeit lösen muss, können laut Bass oft durch spannendere Übungen am Computer oder Tablet ersetzt werden. Die Vielfalt der Arbeitsmittel hält der ausgebildete Lehrer gleichwohl hoch. «Elektronische Geräte sollen immer nur als Ergänzung im Unterricht eingesetzt werden.»
von Anna Bérard im Text Tablets erobern die Schulzimmer (2012)
Manfred SpitzerWie das Fernsehen auch liefern Computer eine flache, verarmte Realität, insbesondere dann, wenn der Benutzer die wirkliche Realität noch nicht kennt und sie beim Betrachten eines Bildschirms also noch nicht ergänzen kann. Damit sind Computer für die ganz Kleinen besonders schädlich. Computer trainieren ebenso wenig das, was man in der Schule brauchen kann, weswegen sie auch in der Schule nicht angebracht sind. Dass Kinder und Jugendliche dann später von den Bildschirmen vor allem Gewalt lernen, wurde sehr ausführlich diskutiert. Aus all dem folgt: Wer glaubt, er tue seinen Kindern mit einem Computer etwas Gutes, der denke noch einmal genau nach.
von Manfred Spitzer im Buch Vorsicht Bildschirm! (2005) im Text Computer- und Videospiele auf Seite 240
Manfred SpitzerWer also gerade erst dabei ist, sich die Welt anzueignen, der sollte sich unbedingt der realen Welt zuwenden. Wenn ich Sachverhalte am Computer lerne, werden sie m meinem Gehirn schwächer repräsentiert als bei handelndem Umgang. Wir wisgekoppelt ist. Mentale Schnelligkeit deutet auf einen hohen Intelligenzquotienten. Man kann sogar Reaktionszeit-Unterschiede in IQ-Punkte umrechnen. Würde man dies mit den hier vorgestellten Daten tun, so ergäbe sich ein sehr großer Unterschied (in der Größenordnung: Einstein versus Idiot — ich übertreibe nicht!). Somit führt die digitale Welterschließune nachweislich zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Gehirnbildüng, und was dies für den geistigen Abstieg bedeutet, wurde bereits dargelegt.
von Manfred Spitzer im Buch Digitale Demenz (2012) im Text Laptops im Kindergarten? auf Seite 180
I should say right away that, despite the pleasure I have had in using computers for almost 20 years, and after nearly as many years of working with computers and schoolchildren in various research settings, I mostly keep my own children (age 4 and 11) away from computers. I want my children to occupy themselves mainly with real stuff, and with virtual stuff from their own imaginations. They need many years of experience contacting the world through their senses and imaginations. I think they need to spend lots of time with older technologies and older kinds of virtuality like language, musical instruments, art supplies, magnifying glasses, books, basketballs, arithmetic, and so on. Children need to develop an inner life, the ability to visualize, imagine, and follow a chain of thought, because reading, mathematics, and other later work require not just the decoding of symbols but also the generation of inner spaces where the meaning of the symbols can take shape. Media of all kinds can disrupt a child’s ability to form her own visual images, create her own stories, and form that crucial inner world.
von John Steinmetz im Buch Squeak, Open Personal Computing and Multimedia (2001) im Text Computers and Squeak as Environments for Learning
Heidi SchelhowePrimärerfahrungen, der körperliche und unvermittelt sinnliche Umgang mit Dingen und Menschen, sind die Basis dafür, dass wir uns angesichts der Ausbreitung der semiotischen Maschinen auf die menschlichen Stärken besinnen und sie zur Geltung bringen können. Das Implizite, das sich nur „erfahren" lässt und sich im intuitiven Wissen des Körpers ausdrücken kann, ist sogar im Umgang mit den Digitalen Medien selbst erforderlich und gefragt. Es besteht die Gefahr, dass das "stille" Wissen verloren geht, wenn uns die unvermittelte Erfahrung fehlt. Es hat daher seinen Sinn, wenn Pädagogik Unmittelbarkeit fordert, wenn Erfahrungen mit dem eigenen Körper, mit Menschen, Pflanzen, Tieren und Gegenständen, mit den materiellen und sozialen Prozessen und Produktionen, die Kinder und Jugendliche in ihrer alltäglichen "verstellten" Umwelt nicht mehr machen können, in die Schule geholt werden bzw. wenn aus der Schule heraus gezielt Orte aufgesucht werden, wo diese Erfahrungen möglich sind.
Dies ist jedoch nur die eine Seite. Problematisch wird es, wo virtuelle und materielle Welt gegeneinander gesetzt werden: hier die „gute" unmittelbare und wirkliche Erfahrung, dort das "schlechte" medienvermittelte Konsumieren. Gerade die Vermittlung des Zusammenhangs zwischen digitalen Prozessen, menschlichem Handeln und physikalischer und sozialer Realität zählt zu den wesentlichen Aufgaben, die Bildung in der Wissensgesellschaft zu erfüllen hat. In einer Welt, in der die uns umgebenden Gegenstände weitgehend konstruierte sind und in der Gesellschaftlichkeit sich über Abstraktion vermittelt, kann es nicht nur um die Ermöglichung von Primärerfahrungen gehen, sondern um die "reflektierte Erfahrung" (Dewey). Nur so können auch die symbolischen Strukturen, die ein Großteil der heute erfahrbaren Wirklichkeit strukturieren und innerhalb derer gesellschaftliches Handeln stattfindet, interpretiert, in das eigene Handeln eingebunden und in ihrer Kontingenz, in ihrem Auch-Anders-Möglich-Sein, begriffen werden.
von Heidi Schelhowe im Buch Technologie, Imagination und Lernen (2007) im Text Bildung mit dem Medium und durch das Medium auf Seite 173

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Begriffe
Primärerfahrung

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iconErwähnungen Dies ist eine nach Erscheinungsjahr geordnete Liste aller im Biblionetz vorhandenen Werke, die das ausgewählte Thema behandeln.

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